13.05.2014
Deutschland: Christlich-islamischer Dialogtag
Präses Rekowski lehnt interreligiöse Gebete ab
Krefeld (idea) – Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), hat sich gegen interreligiöse Gebete bei gemeinsamen Veranstaltungen von Christen und Muslimen ausgesprochen. Dies wäre „Kuddelmuddel“, da jeder auf seine Weise zu Gott bete. Die Zeit, in der der andere bete, könne aber zum Nachdenken oder zur Stille genutzt werden. Rekowski sprach am 10. Mai beim ersten nordrhein-westfälischen „Tag des christlich-islamischen Dialogs“ unter dem Motto „Zukunft im Dialog“ in Krefeld. Daran nahmen rund 1.200 Personen teil. Die westfälische und die rheinische Kirche kooperierten als Veranstalter mit fünf katholischen (Erz-)Bistümern sowie islamischen Verbänden und Gemeinschaften unter Federführung der Christlich-Islamischen Gesellschaft (Köln). Rekowski zufolge ist die rheinische Kirche an einem Dialog mit Muslimen sehr interessiert. So gebe es in allen Kirchenkreisen einen Beauftragten für christlich-muslimische Gespräche: „Lernen durch Begegnung ist alternativlos.“ In einer Podiumsdiskussion berichtete die rheinische Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (Düsseldorf), dass ihre Kirche an einer neuen Arbeitshilfe unter dem vorläufigen Titel „Weggemeinschaft und Zeugnis“ zum Verhältnis von Christen und Muslime arbeite. Das Vorgängerpapier hieß „Dialog und Mission in der Begegnung mit Muslimen“. Wer Zeugnis von seinem Glauben gebe, lerne, offen und in immer besseren Formulierungen von ihm zu sprechen, so Rudolph gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Das Wort Weggemeinschaft drücke aus, dass Muslime und Christen gemeinsam auf dem Weg seien, „damit die Welt für alle besser wird“. Auch die „Hoffnung auf die Ewigkeit“ verbinde die beiden Religionen. Die rheinische Kirche wolle in der neuen Arbeitshilfe das Thema konkreter formulieren.
Kirchenrat Nikodemus: Über Unterschiede muss gesprochen werden
Der Islambeauftragte der rheinischen Kirche, Kirchenrat Rafael Nikodemus (Düsseldorf), sagte idea, dass ein christlich-islamischer Dialog nur dann funktioniere, wenn er nicht nur auf Fachtagungen stattfinde, sondern vor allem unter den Bürgern. In Nordrhein-Westfalen gebe es erfolgreiche gemeinsame Projekte, beispielsweise die Ergänzung der christlichen Notfallseelsorger durch muslimische Notfallbegleiter. Auch über Unterschiede müsse gesprochen werden: „Die muss man aushalten können.“ So diskutierten Christen und Muslime kontrovers über die Trinitätslehre (Lehre von dem drei-einen Gott). Wichtig sei, wertschätzend miteinander umzugehen und die Meinung des anderen stehen zu lassen. Die Schirmherrschaft für den Dialogtag hatte die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), übernommen. Die Veranstaltungen fanden auch in Kirchen und Moscheen statt. Zu dem Programmangeboten zählten Arbeitsgruppen und Podiumsdiskussionen zu Themen wie Notfallseelsorge, christliche und islamische Mystik sowie die Bedeutung von Jesus und Maria in Christentum und Islam. Rund 30 nordrhein-westfälische Initiativen stellten ihre Projekte vor.