16.05.2014

Indien: Hindu-Nationalisten erringen historischen Sieg

Wahl in Indien: Christen in Sorge

Indien: Hindu-Nationalisten erringen historischen Sieg

Wahl in Indien: Christen in Sorge

 

Neu Delhi/Hannover (idea) – Der deutliche Wahlsieg der Hindu-Nationalisten in Indien löst bei der im Land tätigen christlichen Inter-Mission (Hannover) Sorge aus. Die bisherige Oppositionspartei BJP (Bharatiya Janata Party/deutsch: Indische Volkspartei) könnte einheimischen Presseberichten zufolge auf 272 der 543 Sitze im Parlament in Neu Delhi kommen. Sie hätte damit eine absolute Mehrheit. Die regierende Kongresspartei wird nach Hochrechnungen nur 47 Sitze erhalten. Sie räumte eine historische Wahlniederlage ein. „Wir akzeptieren den Willen der Wähler und sehen unsere Niederlage ein“, sagte der führende Kongresspolitiker Satyavrat Chaturvedi. BJP-Spitzenkandidat Narendra Modi ist vor allem unter den Muslimen in Indien umstritten, weil er aus seiner Abneigung gegenüber dem Islam keinen Hehl gemacht hat. Während seiner Regierungszeit im Bundesstaat Gujarat kam es 2002 zu religiös motivierten Ausschreitungen, bei denen über 1.000 Muslime starben. Gegen Modi gilt deshalb in den USA ein Einreiseverbot.

Missionsleiter: Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit

Wie der Leiter der Inter-Mission, Markus Egger (Hannover), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, kam es in der Vergangenheit in jenen Bundesstaaten, in denen die BJP die Regierung stellte, zu vermehrten Übergriffen auf Christen. Nach der Rückkehr der Kongresspartei an die Macht seien diese Attacken zurückgegangen. Ob sich nun im ganzen Land die Lage für die christliche Minderheit verschärfe, lasse sich aber nicht vorhersagen. „Das indische Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit“, so Egger. Das könne auch die BJP nicht außer Kraft setzen. Allerdings sei die Sorge durchaus berechtigt, dass Hilfswerke im Land die Erlaubnis verlieren könnten, Geld aus dem Ausland anzunehmen. Schon im kommenden Jahr sollen alle nötigen Genehmigungen überprüft werden. „Wir befürchten, dass es Einschränkungen für unsere Partner vor Ort geben könnte“, sagte Egger. Christen dürften sich von solchen Sorgen in ihrem Handeln aber nicht einschränken lassen. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. Die übrigen sind meist Anhänger von Natur- und Stammesreligionen. Die Inter-Mission ist vornehmlich in Indien, aber auch in Indonesien, Brasilien und Sierra Leone aktiv. Sie unterstützt 90 Kinderheime, 15 Dorfentwicklungsprojekte und über 130 Tagesschulen. Dem Schweizer Zweig steht der Unternehmer Heiner Henny (Liestal) vor.