19.05.2014

Indien: Gemischte Reaktionen auf Sieg der Hindu-Nationalisten

Christen unsicher: Angriffe auf Minderheiten oder Schutz durch die Verfassung?

Indien: Gemischte Reaktionen auf Sieg der Hindu-Nationalisten

Christen unsicher: Angriffe auf Minderheiten oder Schutz durch die Verfassung?

Neu Delhi (idea) – Unter Christen in Indien löst der erdrutschartige Sieg der national-hinduistischen Partei BJP (Indische Volkspartei) gemischte Reaktionen aus. Einerseits befürchten sie zunehmende Übergriffe auf Christen und Muslime, andererseits vertrauen sie auf den in der Verfassung verankerten Minderheitenschutz. Bei der jüngsten Wahl des indischen Bundesparlaments waren vom 7. April bis 12. Mai annähernd 815 Millionen Wahlberechtigte zu den Urnen gerufen worden. Die BJP errang 282 der 543 Sitze und damit die absolute Mehrheit; die bisher regieren Kongresspartei kam auf 44 – weniger als ein Viertel ihrer bisherigen Mandate. Die Wahlbeteiligung betrug 66,4 Prozent. Neuer Ministerpräsident wird der Hindu-Nationalist Narendra Modi. Der 63-jährige ehemalige Teeverkäufer ist Regierungschef des Bundesstaates Gujarat. Während seiner Regierungszeit kam es 2002 zu religiös motivierten Ausschreitungen, bei denen über 1.000 Muslime starben. Er ist geprägt von der Hindutva-Ideologie, der Vereinigung aller Hindus. Muslime und Christen können danach nur toleriert werden, wenn sie sich dem Hinduismus als Leitkultur unterwerfen. Die BJP stellte bereits von 1998 bis 2004 die indische Regierung. Damals mehrten sich die Angriffe auf Christen und Versuche, ehemalige Hindus „zurückzubekehren“.

Menschenrechte stehen auf dem Spiel

Nach dem neuerlichen Wahlsieg der BJP sieht der katholische Priester und Menschenrechtler Ajaya Kumar Sing (Odisha) die Vielfalt Indiens in Gefahr. Die Menschenwürde und die Menschenrechte stünden auf dem Spiel, sagte er dem katholischen Missionswerk missio (Aachen). Er befürchtet, dass der Hinduismus zur Staatsreligion werde und die Minderheiten aus der Öffentlichkeit verdränge. Andere Kirchenvertreter teilen diese Befürchtung nicht. Die Minderheiten seien von der Verfassung geschützt, erklärte der katholische Bischof Stanley Roman (Quilon/Bundesstaat Kerala). Der Leiter der evangelikalen Inter-Mission, Markus Egger (Hannover), bestätigte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass es in der Vergangenheit unter BJP-Regierungen zu vermehrten Übergriffen auf Christen gekommen sei. Ob sich jetzt die Lage verschärfe, lasse sich aber nicht vorhersagen. „Das indische Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit“, so Egger. Das könne auch die BJP nicht außer Kraft setzen. Allerdings sei die Sorge berechtigt, dass Hilfswerke im Land die Erlaubnis verlieren könnten, Geld aus dem Ausland anzunehmen. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. Die übrigen sind meist Anhänger von Natur- und Stammesreligionen. Die Inter-Mission ist vornehmlich in Indien, aber auch in Indonesien, Brasilien und Sierra Leone aktiv. Sie unterstützt 90 Kinderheime, 15 Dorfentwicklungsprojekte und über 130 Tagesschulen. Dem Schweizer Zweig steht der Unternehmer Heiner Henny (Liestal) vor.