22.05.2014
Nigeria: Terrorakte der Boko Haram hören nicht auf
Der Terror in Nigeria empört Muslime und Christen ÖRK-Generalsekretär und Islam-Gelehrter verurteilen Anschläge von Boko Haram
Nigeria: Terrorakte der Boko Haram hören nicht auf
Der Terror in Nigeria empört Muslime und Christen
ÖRK-Generalsekretär und Islam-Gelehrter verurteilen Anschläge von Boko Haram
Genf/Berlin (idea) – Muslime und Christen reagieren mit Empörung auf die Terrorakte der radikal-islamischen Organisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) in Nigeria. Gemeinsam verurteilen der jordanische Islam-Gelehrte Prinz Ghazi bin Muhammad (Amman) und der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit (Genf), die jüngsten Anschläge in Jos und Kano, denen mindestens 123 Menschen zum Opfer fielen. „Das Christentum und der Islam rufen zum Frieden und zur Harmonie in der Menschheit auf; sie billigen weder Krieg noch Aggression“, heißt es in der Erklärung. Außerdem rufen sie zur „prompten und friedlichen Befreiung“ der 245 meist christlichen Schülerinnen auf, die Boko Haram am 14. April entführt hat. Sie sollen als „Sklavinnen“ an Muslime verkauft werden.
Bundestagsredner kritisieren Terrorgruppe
Der deutsche Bundestag verurteilte am 21. Mai in einer aktuellen Stunde den Terror in Nigeria. Mit Ausnahme der Linken begrüßten alle Fraktionssprecher den internationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Boko Haram. Die Linken-Abgeordnete Annette Groth gab dem Westen eine Mitschuld an der Ausbreitung der Gewalt, weil er Waffen in das von Hunger und dem Klimawandel geplagte Land liefere. Die frühere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) erklärte, Boko Haram verabschiede sich von den Werten aller Kulturen und Religionen. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte, Boko Haram sei zum Feind aller Muslime geworden. Unionsfraktionschef Volker Kauder warf der Terrorgruppe vor, alle Christen aus Nord-Nigeria vertreiben zu wollen. CDU und CSU forderten die Staatengemeinschaft auf, alles für die Freilassung der Mädchen zu tun. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will in Kürze nach Nigeria reisen.
Boko Haram: „Allah will es so“
Boko Haram verübt seit fünf Jahren Anschläge vor allem auf Schulen und Kirchen. Allein in diesem Jahr sind ihnen mindestens 2.000 Menschen zum Opfer gefallen. Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau erklärte in einem Video, der „Krieg“ richte sich gegen die „schädlichen Einflüsse“ von Christen in Nigeria. Shekau hat sich auch damit gebrüstet, dass die entführten Schülerinnen für umgerechnet neun Euro als „Sklavinnen“ an Muslime veräußert und zwangsverheiratet würden. Damit gelten sie als Musliminnen. Shekau: „Es gibt einen Markt für Mädchen. Ich werde sie auf dem Markt verkaufen. Allah will es so.“
Terrorgruppe unterwandert den Staat
Der Präsident der protestantischen „Kirche der Brüder“ in Nigeria, Pastor Samuel Dali (Mubi/Bundesstaat Adamawa), warf den staatlichen Behörden Untätigkeit in der Verfolgung von Boko Haram vor. Die Terrorgruppe habe weite Teile des Staatsapparats, besonders des Militärs und der Polizei, unterwandert, sagte er gegenüber der britischen Rundfunkanstalt BBC. Viele Christen fragten sich, ob die verschleppten Mädchen trotz der internationalen Unterstützung bei der Suche jemals wieder freikämen. Sie stammen zum größten Teil aus Familien der Kirche der Brüder. An der Spitze Nigerias steht der christliche Präsident Goodluck Jonathan. Von den 169 Millionen Einwohnern des westafrikanischen Landes sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Christen. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen.