25.05.2014

Weltweit: Verfolgung der Christenheit nimmt zu

Open Doors Tag in Kassel am 24.5.14

Weltweit: Verfolgung der Christenheit nimmt zu

Open Doors Tag in Kassel am 24.5.14

(pro) Zwei Redner und ein Rednerpaar sind als Repräsentanten ihrer Länder zum „Open Doors-Tag“ in Kassel gekommen. Sie erklärten die Lage der Christen in ihrer jeweiligen Heimat. Allen war ein Punkt gemein: die Verfolgung werde schlimmer. Und trotzdem wirke Gott immer stärker und gebe neuen Mut. Somit passte auch das Thema dieses Events: „Jesus. Unsere Zuflucht.“

Beim diesjährigen Open Doors-Tag standen drei Länder besonders im Fokus: Syrien, Indonesien und Nordkorea. Alle drei sind Orte, in denen das Christentum systematisch unterbunden wird und Christen starke Verfolgung erleben.

Das Pastorenehepaar Edward und Rana informierte über die Situation in Syrien. Das Land, in dem seit drei Jahren ein Bürgerkrieg tobt, sei von Flüchtlingen überschwemmt. Zu tausenden kämen diese monatlich nach Damaskus, wo Edward und Rana ihre Gemeinde haben. Sie schicken Teams zu den Familien, um sie mit Lebensmitteln und geistlicher Literatur zu versorgen. Und um ihnen Hoffnung zu geben, denn den Menschen stehe die Traumatisierung buchstäblich ins Gesicht geschrieben, unterstrich das Ehepaar. „Die Menschen sind hungrig, das Wort Gottes zu hören“, sagte Edward. Das ermutige sie, trotz der Gefahr für Christen in Damaskus zu bleiben und weiterhin Menschen zu helfen. Sie betonten den geistlichen Kampf, in dem sie stünden und die Wichtigkeit der Gebete. Vor ihrer Gemeindearbeit arbeiteten Edward und Rana als Zahnärzte und lebten in großem Wohlstand.

Pastor Michael berichtete aus Indonesien, wo eine feindselige behördliche Einstellung gegenüber Christen herrsche. Man könne nur schwer die Genehmigung für die Errichtung von Kirchen erhalten. Generell laste auf Christen ein hoher gesellschaftlicher Druck. Regelmäßig würden sie bedroht und hätten mit Angriffen zu rechnen. Pastor Michael sagte jedoch mit einem Lächeln: „Das müssen wir auf uns nehmen, wegen Christus. Wenn wir wegen ihm verfolgt werden, dann müssen wir keine Angst haben. Wir haben Jesus.“ Michael erlebte Verfolgung am eigenen Leibe: 2001 wurde er von zwei Männern mit Macheten angegriffen und überlebte den Übergriff nur knapp. Große Narben in seinem Gesicht zeugen davon. Er pointierte die Kraft der Gnade, die zur Vergebung befähige. Durch Vergebung könne Menschen geholfen werden. Die zwei Männer, die ihn vor Jahren angriffen, seien heute Mitglieder in seiner Gemeinde, weil er die Gnade der Vergebung erfahren habe.

Nordkorea – Ein hartes Pflaster für Christen

Nordkorea führt seit nunmehr 12 Jahren den Verfolgungsindex von Open Doors an. Das ist eine Liste der 50 Länder, in denen Christen mit schärfsten Konsequenzen für ihren Glauben zu rechnen haben. Unter dem Führer des Landes, Kim Jong-un, werden keine Christen geduldet. Alle müssen dem Führerkult folgen, der absolute Untergebenheit und Hingabe fordert. Jede Abweichung wird bestraft, oft mit der Internierung in Arbeitslagern. Ein Christ zu sein wird als besonders schlimmes Vergehen angesehen, denn Christen sprechen Kim Jong-un die Alleinherrschaft ab. Open Doors gibt an, dass aktuell etwa zwischen 50.000 und 70.000 Christen in nordkoreanischen Arbeitslagern eingesperrt sind. In diesen Gefängnissen sterben viele an Unterernährung, Krankheiten und Erschöpfung durch Zwangsarbeit.

Hae Woo, eine Überlebende der Arbeitslager, sprach über ihre tiefgreifenden Erlebnisse mit Gott im Leid. Sie habe Gott besonders intensiv in grausamer Folter erlebt. Man habe sie zwingen wollen, ihrem Glauben abzuschwören. Sie erzählte, wie ihr Gott nach tagelanger Folter Kraft zugesprochen habe und ihr Vertrauen ehrte: „Meine geliebte Tochter, du bist heute auf Wasser gelaufen.“ Im Lager habe sie erlebt, wie Gott sie täglich zur Mission aufforderte. „Sei opferbereit und teile, was du hast“, habe er ihr gesagt. Hae Woo berichtete über das Teilen ihrer kargen Mahlzeiten und Gottesdienste in der Lagertoilette. Sonst habe es keinen anderen Ort gegeben, wo dies möglich gewesen wäre. Hae Woo betonte, wie grundlegend wichtig die Gebete derer seien, die in Ländern mit Religionsfreiheit leben. Diese Gebete setzten unheimlich viel Kraft frei, und bei Gott gehe kein Gebet verloren.

Der Fokus des Open Doors-Tages lag darauf, dass Gottes Wirken trotz verstärkter Verfolgung spürbarer werde. Die Repräsentanten ermutigten zum regelmäßigen Gebet und forderten dazu auf, für die Geschwister in vielfältiger Weise einzustehen. Zum wiederholten Male fand der Open Doors-Tag in Kassel statt. Laut der Veranstalter waren am Freitagabend und am Samstag weit über 2.700 Besucher vor Ort. Per Livestream fand außerdem eine Übertragung in Gemeinden in ganz Deutschland statt. Ein weiterer Gastredner kam aus dem Iran.

Die Zahl derer, die ihr Christentum nicht offen leben dürfen oder können, schätzt Open Doors weltweit auf 100 Millionen Menschen. Das christliche Hilfswerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Christen in über 50 Ländern zu unterstützen. Open Doors organisiert Schulungen und Seminare für Gemeindeleiter, macht Bibeln und christliche Literatur zugänglich und versorgt die Familien verfolgter Christen. Außerdem informiert das Hilfswerk über die Situation in den jeweiligen Ländern und ruft zum Gebet auf. Im Jahr 2015 feiert Open Doors sein 60-jähriges Bestehen. (pro)

Von: mgo