27.05.2014
Nigeria: Entführte Schülerinnen geortet?
Militär schließt eine gewaltsame Befreiung der Christinnen aber aus
Nigeria: Entführte Schülerinnen geortet?
Militär schließt eine gewaltsame Befreiung der Christinnen aber aus
Abuja (idea) – Das Militär in Nigeria kennt nach eigenen Angaben den Aufenthaltsort der über 200 entführten Schülerinnen. Das sagte der Chef der Luftwaffe, Marschall Alex Badeh, in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Seit dem 14. April hält die radikal-islamische Gruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) die Mädchen – meist Angehörige der protestantischen „Kirche der Brüder“ – in ihrer Gewalt. Sie waren in Chibok im Nordosten des Landes während des Unterrichts gekidnappt worden. Boko Haram will im muslimisch dominierten Norden Nigerias und in anderen Ländern Afrikas mit Gewalt einen islamischen Staat errichten, dem sich alle Bürger unterwerfen müssen. Nach Worten von Badeh soll es keine gewaltsame Befreiung geben. Der Einsatz wäre zu riskant. Wo das Militär die Schülerinnen gefunden haben will, wollte er nicht mitteilen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass seine Truppen die Schülerinnen retten könnten. Zugleich sagte er einschränkend: „Wir können nicht einfach da rein und unsere Mädchen bei dem Versuch, sie zurückzubringen, töten.“ Badeh äußerte sich in Abuja vor Tausenden Demonstranten. Sie hatten an einem Solidaritätsmarsch für die vielfach gescholtene Armee teilgenommen. Badeh verbat sich Kritik an den Streitkräften: „Niemand sollte daherkommen und sagen, dass das nigerianische Militär nicht weiß, was es tut. Wir wissen, was wir tun.“ Wie viele Mädchen sich noch in der Gewalt der Terroristen befinden, ist unklar, nachdem 53 Mädchen fliehen konnten. Manche Berichte sprechen von 223, andere von 276.
Verhandlungslösung geplatzt?
Unterdessen berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC, dass eine Verhandlungslösung zur Freilassung der Mädchen kurz vor ihrem Abschluss gescheitert ist. Mit Hilfe eines Vermittlers habe man sich darauf geeinigt, 100 inhaftierte Boko-Haram-Mitglieder freizulassen, wenn im Gegenzug die Schülerinnen freikämen. Doch die Behörden hätten diese Lösung ohne Angabe von Gründen überraschend platzen lassen, so die BBC.
Nigeria nimmt internationale Hilfe an
Zuvor hatte Nigerias Präsident Goodluck Jonathan in Paris an einem Treffen teilgenommen, an dem ein „globaler und regionaler Aktionsplan“ gegen Boko Haram beschlossen worden war. Inzwischen hat die Regierung internationale Hilfe angenommen. Seitdem sind Presseberichten zufolge US-Flugzeuge in die Suche einbezogen. Großbritannien, Frankreich und Israel entsandten Experten, die die Truppen unterstützen sollen.
Boko Haram will die Mädchen verkaufen
Boko Haram verübt seit fünf Jahren Anschläge vor allem auf Schulen und Kirchen. Allein in diesem Jahr sind ihnen mindestens 2.000 Menschen zum Opfer gefallen. Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau erklärte in einem Video, der „Krieg“ richte sich gegen die „schädlichen Einflüsse“ von Christen in Nigeria. Shekau hat sich auch damit gebrüstet, dass die entführten Schülerinnen für umgerechnet neun Euro als „Sklavinnen“ an Muslime veräußert und zwangsverheiratet würden. Damit gelten sie als Musliminnen. Shekau: „Es gibt einen Markt für Mädchen. Ich werde sie auf dem Markt verkaufen. Allah will es so.“ Von den 169 Millionen Einwohnern des westafrikanischen Landes sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Christen. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen.