30.05.2014
Zentralafrikanische Republik: Massaker in einer Kirche
Mindestens 15 Christen starben bei Überfall radikaler Muslime
Zentralafrikanische Republik: Massaker in einer Kirche
Mindestens 15 Christen starben bei Überfall radikaler Muslime
Bangui (idea) – In der Zentralafrikanischen Republik sind mindestens 15 Christen bei einem Überfall radikaler Muslime getötet worden. Medienberichten zufolge haben die Angreifer in der Hauptstadt Bangui Granaten geworfen und mit Maschinengewehren auf Flüchtlinge geschossen, die in einer katholischen Kirche Zuflucht gesucht hatten. Unter den Todesopfern sei auch ein Priester. Manche Agenturen sprachen von mehr als 30 Toten. Das Massaker ist Teil eines im März 2013 begonnenen Religionskrieges: Damals hatte die radikal-islamische Seleka-Bewegung die Regierung des von Christen unterstützten Staatspräsidenten Francois Bozizé gestürzt. Daraufhin organisierten Christen, die um ihr Leben fürchten, Bürgerwehren. Doch die sogenannten „Anti-Balaka-Milizen“ (Gegen die Macheten) sind längst nicht mehr reine Selbstverteidigungsgruppen. Sie wollten das Land „muslimfrei“ machen, erklären – laut Medienberichten – ihre Anführer.
Die Spirale der Gewalt
Wie sich die Spirale der Gewalt ständig weiterdreht, schilderte der Reporter Georg Dörken in der Tageszeitung „Kölner Stadtanzeiger“. Bei einem Fußballspiel, das zur Versöhnung zwischen den verfeindeten Religionsgruppen beitragen sollte, hätten Christen drei muslimische Fußballfans entdeckt und umgebracht. Aus Rache hätten die Muslime am selben Abend eine bewaffnete Frau in ein von Christen besuchtes Restaurant geschickt, wo sie eine Splitterhandgranate in die Menge feiernder Mütter warf. Daraufhin sei es zu einer Schießerei zwischen Seleka- und Anti-Balaka-Milizen gekommen. Dabei habe es viele Tote und Verletzte gegeben. Nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF sind von den Auseinandersetzungen auch rund 2,3 Millionen Kinder betroffen. Wie der Kommunikationsbeauftragte für Zentralafrika, Daniel Timme, sagte, werden Kinder gezielt getötet oder verstümmelt, sexuell missbraucht und von bewaffneten Gruppen als Kämpfer rekrutiert.
Reich an Rohstoffen
Die Zentralafrikanische Republik gehört trotz ihres Reichtums an Rohstoffen – besonders Diamanten – zu den ärmsten Staaten Afrikas. Die Lebenserwartung liegt unter 50 Jahren, die Kindersterblichkeitsrate beträgt mancherorts 25 Prozent. Katholiken und Protestanten stellen jeweils rund 25 Prozent der rund fünf Millionen Einwohner; 15 Prozent sind Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.