01.04.2015

Nigeria: Nach der Wahl: Für Christen ändert sich wenig

Menschenrechtler: Der Sieg des Muslimen Buhari bedeutet keine neue Gefahr

Nigeria: Nach der Wahl: Für Christen ändert sich wenig

Menschenrechtler: Der Sieg des Muslimen Buhari bedeutet keine neue Gefahr

Frankfurt am Main (idea) – Der Machtwechsel in Nigeria ändert wenig an der Situation der verfolgten christlichen Minderheit in dem westafrikanischen Land. Der Wahlsieg des muslimischen Ex-Militärdiktators Muhammadu Buhari über den bisherigen christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan bedeute für die Christen keine neue Gefahr, aber auch keine Entwarnung, sagte der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), am 1. April auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Offensichtlich habe der 72-jährige Ex-General mit seinem Wahlkampfversprechen, für Recht und Ordnung zu sorgen, nicht nur Muslime überzeugt. „Auch Christen haben ihn gewählt“, so Lessenthin. Allerdings sei dessen Vorhersage, binnen sechs Monaten mit der radikal-islamischen Terrororganisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) fertig zu werden, mit größter Skepsis zu beurteilen. Er glaube nicht, dass Buhari das gelingen werde, sagte Lessenthin. Auch Jonathan habe dieses Ziel trotz mehrfacher Versprechen nicht erreicht, und das habe ihm wahrscheinlich die Wiederwahl gekostet.

Schließen sich mehr Muslime dem Kampf gegen Boko Haram an?

Die Christen im muslimisch dominierten Norden stünden immer noch „mit dem Rücken an der Wand“, so Lessenthin. Doch gebe es mit Buhari eine kleine Chance, dass sich mehr Muslime der Bekämpfung von Boko Haram anschließen. Die Terrororganisation hat seit 2009 bei Anschlägen auf Kirchen, Schulen, Polizeistationen und Kasernen mindestens 14.000 Menschen getötet. Die Gruppe hat sich mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verbündet. Beide setzen in ihren „Kalifaten“ in Westafrika und dem Nahen Osten das Religionsgesetz Scharia mit brutaler Härte durch.

Präsident Jonathan: Ruhe bewahren!

Bei den wegen zahlreicher Anschläge auf den 28. März verschobenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hatte Buhari knapp 54 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können; Jonathan kam auf etwa 45 Prozent. Der 57-jährige amtierende Staatspräsident gratulierte Buhari und rief die eigenen Anhänger auf, Ruhe zu bewahren und nicht mit Gewalt auf die Wahlschlappe zu reagieren. Es ist der erste Machtwechsel, seit Nigeria 1999 zur Demokratie zurückgekehrt war. Buhari hatte sich 1983 an die Macht geputscht, bis er 1985 wieder gestürzt wurde. Vor vier Jahren war er Jonathan unterlegen.

Korruption bekämpfen

Buhari versprach im jetzigen Wahlkampf auch, die grassierende Korruption im Land zu bekämpfen. Betroffen sind laut Lessenthin sowohl die Politik wie auch das Militär. Den Streitkräften sei es nicht gelungen, Boko Haram wirksam zu bekämpfen. Lessenthin setzt in dieser Beziehung größere Hoffnungen auf das militärische Eingreifen der Nachbarstaaten, die ebenfalls unter dem islamistischen Terror leiden.

Schülerinnen seit fast einem Jahr entführt

Boko Haram steht in der Brutalität IS in nichts nach. So sind mehr als 200 entführte Schülerinnen seit fast einem Jahr verschwunden. Am 14. April hatte Boko Haram in Chibok (Bundesstaat Borno) 276 Mädchen verschleppt; die meisten kommen aus christlichen Familien. 57 konnten entkommen; von den übrigen fehlt jede Spur. Sie wurden nach Berichten von Entflohenen fast täglich vergewaltigt oder als Sex-Sklavinnen an Muslime verkauft. Als Folge des Missbrauchs haben inzwischen einige Babys zur Welt gebracht. Alle Bemühungen, die Geiseln zu befreien, sind fehlgeschlagen. Nach Angaben des anglikanischen Unterhändlers Stephen Davis sabotieren korrupte Personen die Bemühungen um eine Freilassung. Bei den Unterstützern von Boko Haram handele es sich um politisch einflussreiche Kreise, die zeigen wollten, dass ein christlicher Präsident nicht in der Lage sei, den inneren Frieden zu gewährleisten, erklärte der Australier vor der Wahl. Von den 173 Millionen Einwohnern Nigerias sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Kirchenmitglieder. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen. Die Christen leben meist im Süden und die Muslime im Norden.