09.04.2015
Katar: Kirchenkritik an Fußball-WM zurückgewiesen
Botschafter an früheren EKD-Chef
Berlin (idea) – Der Botschafter von Katar in der Bundesrepublik Deutschland, Abdulrahman Bin Mohammed Al-Khulaifi (Berlin), hat die Kritik des früheren EKD-Ratsvorsitzenden, Wolfgang Huber (Berlin), an der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in dem Emirat zurückgewiesen. In einem Schreiben an den ehemaligen Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, das der Evangelischen Nachrichtenagentur idea vorliegt, geht der Botschafter unter anderem auf Hubers Einwände gegen die Durchführung der WM in seinem Land ein. Der 72-jährige Kirchenmann hatte in einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ (Berlin) verlangt, dass die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar revidiert werden müsse, weil sie „auf dem Weg der Korruption“ zustande gekommen sei. In der ARD-Sendung „Hart aber Fair“ kritisierte der Bischof zudem die Austragung der Spiele in der Adventszeit. Der Fußballweltverband FIFA wisse offensichtlich nicht, „wann Weihnachten ist“.
Keine Kultur „besitzt“ den Fußball
Der Botschafter Katars betont in seinem Schreiben, dass sich sein Land im Blick auf die Terminierung der Spiele der FIFA unterordne. Man wisse, dass sich diese Entscheidung in Deutschland und anderen christlich geprägten Ländern auf die Adventszeit auswirke, doch sei die Fußball-WM ein globales Sportereignis. Keine Kultur „besitze“ den Fußball. Der Diplomat erinnert daran, dass Muslime die westliche Welt nicht kritisiert hätten, als die Fußball-WM 2014 in Brasilien im islamischen Fastenmonat Ramadan stattfand. Daher bitte man Huber, die Weihnachtszeit nicht als Argument gegen eine WM im November und Dezember zu verwenden.
Offen für konstruktive Kritik
Ferner sei die Behauptung unwahr, dass man Katar die Veranstaltung der WM zu Unrecht anvertraut habe. Nicht nur der Ethik-Ausschuss der FIFA, sondern auch der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert (München) sei zu dem Schluss gekommen, dass die Vergabe rechtmäßig verlaufen sei. Der Korruptionsbekämpfer Eckert hatte dem Weltverband ein weitgehend sauberes Verfahren im Blick auf die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar bescheinigt. Wie der Botschafter weiter schreibt, ist seine Regierung weit entfernt davon zu behaupten, dass in Katar alles perfekt sei und man keine Fehler mache: „Wir sind offen für jede konstruktive Kritik und würden auch eine Anerkennung unserer Bemühungen sehr schätzen.“ Der Botschafter bietet dem früheren EKD-Ratsvorsitzenden ein Gespräch an und lädt ihn nach Katar ein, damit er sich selbst ein Bild von den Vorbereitungen zur WM machen könne.
Katar hat eine multikulturelle Bevölkerung
Im Emirat Katar am Persischen Golf ist der Islam Staatsreligion. Das Land hat etwa 2,2 Millionen Einwohner; doch davon sind nur etwa 300.000 Inländer. Die meisten Ausländer, etwa Inder oder Pakistani, verdienen dort ihren Lebensunterhalt. Nach Schätzungen sind etwa sechs Prozent Christen, die sich in 91 Gemeinden versammeln. Es besteht auch ein Kirchenzentrum für Katholiken, Anglikaner, Orthodoxe und Protestanten.