13.04.2015

Ukraine: Für eine geistliche Perspektive

„Licht im Osten“: Christen wollen der Gesellschaft zu dienen

Ukraine: Für eine geistliche Perspektive

„Licht im Osten“: Christen wollen der Gesellschaft zu dienen

Korntal (idea) – Für eine geistliche Perspektive des Ukraine-Konflikts hat der Präsident des ukrainischen Baptistenbundes, Valerij Antonjuk (Kiew), geworben. Die Krise habe dazu geführt, dass sich viele Christen erneut auf ihren Auftrag besinnen, der Gesellschaft zu dienen, sagte er bei der Jahreskonferenz des Missionsbundes „Licht im Osten“, die am 11. und 12. April in Korntal bei Stuttgart stattfand. Der Zerfall der Sowjetunion habe den evangelischen Christen große Freiheiten gebracht, die sie für Evangelisationen und die Gründung von Gemeinden nutzten. Die Menschen hätten sich an den Frieden gewöhnt und darüber vergessen, dass der aggressive atheistische Marxismus-Leninismus der alten Sowjetunion weiter wirkte. Dies habe den Verlust der Halbinsel Krim an Russland und die Unruhen im Osten der Ukraine bewirkt. Bisher habe es 8.000 Tote, 18.000 Verletzte, über eine Million Flüchtlinge und große Zerstörungen gegeben. Heute habe Russland laut ukrainischen Regierungsangaben rund 8.000 Soldaten, 700 Panzer und 500 Haubitzen in den besetzten Gebieten stationiert. Damit habe kein Ukrainer gerechnet. Als erste hätten Christen reagiert. Sie organisierten Lebensmittel, Kleidung und medizinische Hilfen für die in den Ostgebieten zurückgebliebenen Menschen. Die evangelischen Gemeinden litten auch unter religiöser Verfolgung. Tschetschenische Einheiten bezeichneten deren Pastoren als amerikanische Spione und bedrohten sie mit dem Tod. Mehr als zehn Gemeindehäuser seien inzwischen niedergebrannt worden. Auf Bitten der ukrainischen Regierung engagierten sich evangelische Geistliche als Militär- und Krankenhausseelsorger, um Verwundeten Trost zu spenden.

Zusammenarbeit trotz großer Unterschiede

Auch der Leiter des deutschen Missionsbundes, Pfarrer Johannes Lange (Korntal), nannte die Situation der evangelischen Christen in der östlichen Ukraine katastrophal. Kirchen würden zerstört, und Gemeindemitgliedern, die sich von Separatisten angeordneten Versammlungsverboten widersetzten, werde angedroht, dass man sie abschlachte. Erfreulich sei, dass russische und ukrainische Christen trotz unterschiedlicher politischer und nationaler Hintergründe bei der Weitergabe des christlichen Glaubens zusammenarbeiteten. Als „Licht im Osten Kiew“ nach Russlands Annexion der Krim den dortigen Gemeinden keine christlichen Zeitschriften mehr schicken konnte, übernahm die russische „Nordossetische Mission“ in Wladikawkas (Kaukasus) den Versand. Im Juni vergangenen Jahres habe ein russisches Missionsteam eine von „Licht im Osten Kiew“ vorbereitete Evangelisation auf der Krim übernommen.

Russland: Situation der Gemeinden verschlechtert sich

Allerdings verschlechtere sich die Situation evangelischer Gemeinden in Russland dramatisch. Medien unterstellten ihnen Spionage für den Westen. Sie dürften keine Versammlungsräume mieten, Freiversammlungen seien verboten, und die Verkündigung des Evangeliums sei nur noch in ihren eigenen Räumen erlaubt. Noch schlimmer sei die Entwicklung in einigen zentralasiatischen Republiken. In Usbekistan würden Christen bestraft, wenn man bei ihnen eine Bibel oder andere christliche Literatur entdeckt. In Kirgisistan gebe es Pläne, dass Prediger nur mit staatlicher Lizenz ihren Gemeinden das Wort Gottes verkündigen dürfen. Zwiespältig sei die Haltung der kasachischen Regierung. Einerseits gebe es Tendenzen, christliche Kinderfreizeiten zu verbieten, andererseits sei die Verbreitung von 138 christlichen Büchern erlaubt worden. Auch für die Sozialarbeit in dem von „Licht im Osten“ unterstützten „Haus der Hoffnung“ in der Millionenstadt Almaty gebe es eine staatliche Erlaubnis.

Kinderzeitschrift „Tropinka“ in acht Sprachen

„Licht im Osten“ wurde 1920 in Wernigerode im Harz gegründet, um unter den einstigen russischen Kriegsgefangenen und unter den Völkern der Sowjetunion die biblische Botschaft auszubreiten. Später zog das Werk nach Korntal um und weitete seine Arbeit auf den gesamten kommunistischen Ostblock aus. In den 70er und 80er Jahren schmuggelten Mitarbeiter Tausende von Bibeln durch den Eisernen Vorhang. Zu den heutigen Aufgaben gehört neben der Unterstützung von Partnermissionen die Herstellung von Bibeln, theologischer Literatur, Lebensbeschreibungen und Zeitschriften in über 30 Sprachen. Ein Bestseller ist die evangelistische Kinderzeitschrift „Tropinka“ (Der kleine Pfad) in acht Sprachen und mehr als 1,5 Millionen Leser in mehr als 60 Ländern erreicht. Die erste Ausgabe des sechsmal jährlich erscheinenden Blattes kam 1990 heraus. Außerdem gibt „Licht im Osten“ das russischsprachige Zwei-Monats-Magazin „Glaube und Leben“ mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren heraus. Ferner fördert der Missionsbund soziale Projekte, darunter ein Alphabetisierungsprogramm für bulgarische Roma, ein Flüchtlingslager und ein Speisungsprogramm für Senioren im Kaukasus. Vorsitzender ist der württembergische Pfarrer Martin Hirschmüller (Korntal-Münchingen).