27.04.2015

Deutschland: Synode soll Christenverfolgung zum Thema machen

Nordkirche: Kirchliche Sammlung bittet um einen jährlichen Lagebericht

Deutschland: Synode soll Christenverfolgung zum Thema machen

Nordkirche: Kirchliche Sammlung bittet um einen jährlichen Lagebericht

Neumünster (idea) – Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) sollte sich einmal im Jahr mit der Situation der verfolgten und benachteiligten Christen weltweit beschäftigen. Einen „Lagebericht“ als festen Tagesordnungspunkt des Kirchenparlaments hat die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordkirche angeregt. Auf ihrer Tagung am 25. April in Neumünster nahmen die rund 100 Teilnehmer einstimmig ein Schreiben an, das der Vorsitzende der theologisch konservativen Sammlung, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), an Synodenpräses Andreas Tietze (Westerland/Sylt) richtete. Darin heißt es, noch nie habe es eine derartige weltweite Verfolgung von Christen gegeben. Täglich führten Schreckensmeldungen „das unsägliche Leid durch Folter, Enthauptungen, bestialischen Hinrichtungen, Vergewaltigungen, Entführungen und Benachteiligungen vor Augen“. Die Sammlung bittet Tietze, dafür einzutreten, dass einmal im Jahr ein kompetenter Referent die Synode über die Lage der verfolgten Christen unterrichtet und dieser Bericht veröffentlicht wird. Er sollte Grundlage für Gebetsanliegen in der Synode und den Gemeinden sein.

Das Alte Testament ist unverzichtbar

Die Sammlung nahm ferner kritisch zu umstrittenen Thesen des Berliner Theologieprofessors Notger Slenczka Stellung. Er hatte in Aufsätzen die Bedeutung des Alten Testaments für Christen relativiert. Dieses sei in seiner Gänze „kein Zeugnis der Universalität des Gottesverhältnisses, sondern ein Zeugnis einer Stammesreligion mit partikularem Anspruch“. Die Sammlung verweist hingegen darauf, dass es schon in der alten Kirche als „große Ketzerei“ gegolten habe, das Alte Testament als unchristlich abschaffen zu wollen. Diese Ketzerei findet finde mit Slenczkas Thesen ihre „Auferstehung“. Er stehe damit „im Abseits kirchlicher Lehre und Tradition“. Die Kirchliche Sammlung betont, dass das Alte und das Neue Testament aufeinander bezogen sind und die Einheit der Bibel bilden. Die alttestamentlichen Verheißungen seien durch Jesus Christus erfüllt worden. Daher sei das Alte Testament als wesentlicher Bestandteil des Wortes Gottes unverzichtbar.

Die Türkei diskriminiert auch heute noch Christen

Ferner plädiert die Sammlung dafür, die vor 100 Jahren begangenen Verbrechen des Osmanischen Reiches an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten als Völkermord zu bezeichnen. Rund 1,5 Millionen Christen waren 1915 und 1916 Opfer von Massenmord, Deportation und Vertreibung im Osmanischen Reich geworden, dem die heutige Türkei entstammt. Diese leugnet den Völkermord. Die Bundesregierung hatte bisher aus diplomatischen Gründen den Begriff ebenfalls vermieden. Doch die Wahrheit dürfe nicht auf der Strecke bleiben, betont die Sammlung. Bis heute würden in der Türkei armenische und syrische Christen schwer diskriminiert. Die Beendigung dieser Praxis und die Anerkennung des Völkermordes sollte die EU zu einer wesentlichen Bedingung für einen Beitritt der Türkei machen.