27.04.2015

Nepal: Hilfskräfte kämpfen mit Widrigkeiten

Erdbeben: Die Zahl der Todesopfer ist auf bis zu 3.600 gestiegen

Nepal: Hilfskräfte kämpfen mit Widrigkeiten

Erdbeben: Die Zahl der Todesopfer ist auf bis zu 3.600 gestiegen

Kathmandu (idea) – Die Hilfe nach dem Erdbeben in Nepal gestaltet sich aufgrund widriger Bedingungen schwierig. Das teilten christliche Werke auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) mit. Am 24. April hatte ein Beben mit der Stärke 7,9 die Region erschüttert; zwei Tage später folgte ein Nachbeben der Stärke 6,7. Nach jüngsten Angaben des Innenministeriums kamen dabei in Nepal mehr als 3.200 Menschen ums Leben; die Polizei spricht gar von mehr als 3.600 Todesopfern. Auch Nachbarstaaten sind betroffen: In Indien starben bisher rund 60 Menschen, in Tibet etwa 20 und vier in Bangladesch. In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu sind zahlreiche Gebäude eingestürzt; die Strom- und Telefonversorgung ist teilweise zusammengebrochen. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen. Auch zahlreiche christliche geprägte Hilfswerke haben Helfer in die Region entsandt.

Humedica: Eine „Katastrophe immensen Ausmaßes“

Das christliche Hilfswerk Humedica (Kaufbeuren) schickte am 26. April sechs Ärzte und Pflegekräfte in die Katastrophenregion. Wie Pressesprecher Steffen Richter sagte, konnte das Flugzeug zunächst jedoch nicht in Kathmandu landen, weil der Flughafen vorübergehend gesperrt war. Aufgrund der zerstörten Infrastruktur sei auch die Telefonverbindung in dem hinduistisch geprägten Himalaya-Staat „schlecht bis nicht vorhanden“, so Richter. Bereits jetzt könne man aber sagen, dass es sich um eine „Katastrophe immensen Ausmaßes“ handele. Nach seiner Einschätzung wird das Land monatelang auf internationale Hilfe angewiesen sein – „vielleicht sogar auf Jahre“. Das Humedica-Team habe Hilfsgüterpakete bei sich, mit denen zunächst bis zu 3.000 Patienten behandelt werden können. Bereits in zwei Tagen werde ein zweites Team von Deutschland aus nach Nepal starten; weitere stünden bereit.

„Geschenke der Hoffnung“: Hilfe für 15.000 Familien

Auch das christliche Werk „Geschenke der Hoffnung“ engagiert sich mit seinen Partnern in der Krisenregion, teilte Geschäftsführer Bernd Gülker (Berlin) mit. Ein 16-köpfiges Expertenteam der US-Partnerorganisation „Samaritan’s Purse“ (Geldbörse des Samariters) sei am 26. April in Kathmandu eingetroffen. Gemeinsam mit lokalen Kräften sollen die Überlebenden mit dringend benötigten Hilfsgütern wie Wasser, Lebensmitteln und Hygienepaketen versorgt werden. Eine erste Lieferung für 15.000 Familien sei bereits unterwegs in das Erdbebengebiet.

„Hilfe für Brüder“: Auch die evangelistische Arbeit unterstützen

Die evangelikale Organisation „Hilfe für Brüder International“ (Stuttgart) hat erste Gelder an einheimische Netzwerke christlicher Gemeinden ausgezahlt. „Während unsere Geschwister vor Ort noch verzweifelt auf der Suche nach ihren Angehörigen sind, wollen wir schnell und unbürokratisch finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um die schwersten Nöte zu lindern“, erklärte Direktor Ulrich Weinhold. Nach seinen Worten sind auch Gemeindemitglieder unter den Todesopfern. Ferner wisse man von mindestens zwei zerstörten Kirchengebäuden. „Hilfe für Brüder“ und „Christliche Fachkräfte International“ sind seit 1985 in Nepal aktiv und derzeit mit 20 Partnern auf nationaler und lokaler Ebene verbunden. Weinhold bittet ausdrücklich um Gebet: „Was sich hier noch abspielen wird, wenn es stärker regnet, mag man sich gar nicht ausdenken. Unsere Geschwister brauchen die schützende Hand Gottes.“ Aber auch viele Menschen anderer Glaubensrichtungen in dem sehr religiösen Land fragten, warum Tempel und Statuen einfach zerstört wurden – „und vielleicht suchen sie ganz neu nach Antworten“. Deshalb wolle man auch die evangelistische Arbeit von Anfang an unterstützen.

Das Christentum fasst langsam Fuß in Nepal

Der Weltkirchenrat rief Kirchen und Gemeinden in aller Welt dazu auf, für die Opfer des Bebens und deren Angehörige zu beten. „Wir bringen unser tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck für die Menschen in Nepal und Nordindien, die bei diesem schrecklichen Erdbeben geliebte Angehörige oder Freunde verloren haben“, erklärte Generalsekretär Olav Fykse-Tveit (Genf). Von den 27,8 Millionen Einwohnern des Himalaja-Staates sind 75 Prozent Hindus, 16 Prozent Buddhisten, fünf Prozent Christen und vier Prozent Muslime. Nepal war bis ins 20. Jahrhundert hinein ein weithin von der Außenwelt abgeschlossenes hinduistisches Königreich. Christliche Missionswerke durften nur als humanitäre Hilfsorganisationen tätig sein. Sie bauten Schulen und Krankenhäuser. Das Christentum fasste erst Fuß, als Nepalesen in den britischen und indischen Streitkräften Dienst taten, dabei zum Glauben an Jesus Christus kamen und zu ihren Familien heimkehrten. Ähnliches ereignete sich mit jungen Nepalesen, die im Ausland studierten, dort Christen wurden und wieder in ihr Land zurückkehrten. 2006 wurde der Hinduismus als Staatsreligion offiziell abgeschafft.