04.08.2015

Ostukraine: Russisch-orthodoxe Kirche: Blutvergießen stoppen

Patriarch Kyrill mahnt Putin und Poroschenko: Das Minsker Abkommen umsetzen

Ostukraine: Russisch-orthodoxe Kirche: Blutvergießen stoppen

Patriarch Kyrill mahnt Putin und Poroschenko: Das Minsker Abkommen umsetzen

 

Moskau/Kiew (idea) – Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I. (Moskau), hat die Präsidenten Russlands und der Ukraine aufgefordert, alles zu tun, um das Blutvergießen in der Ostukraine zu beenden. Dort bekämpfen sich pro-russische Separatisten und die ukrainischen Streitkräfte. Kyrill forderte in gleichlautenden Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und das ukrainische Staatsoberhaupt Petro Poroschenko, die Feindseligkeiten einzustellen und das Minsker Friedensabkommens umzusetzen. Der Wiener Stiftung „Pro Oriente“ zufolge nahm der Patriarch die Feierlichkeiten zum 1.000. Todestag des Heiligen Wladimir zum Anlass für sein Schreiben. Fürst Wladimir (um 960-1015) mit Beinamen „der Apostelgleiche“ wird in beiden Ländern verehrt. Kyrill ist tief besorgt über die Situation in der Ostukraine: „Blut wird vergossen, Menschen werden getötet.“ Im Interesse der Zivilbevölkerung müssten die Kämpfe aufhören: „Ältere Menschen, Kinder und Behinderte sind besonders verletzlich. Viele Menschen haben weder Kräfte noch Möglichkeiten, um ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen. Nicht alle von ihnen überleben unter diesen schrecklichen Bedingungen. Etliche sterben durch den Artilleriebeschuss, andere durch Hunger und Krankheit oder wegen des Mangels an Medikamenten und Basisgütern.“ Die russisch-orthodoxe Kirche bemühe sich, auf beiden Seiten zu helfen. In allen Kirchen Russlands werde für Frieden gebetet, und die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats tue alles, um Versöhnung zu bewirken und die Einheit des Volkes wiederherzustellen.

Poroschenko für eigenständige orthodoxe Kirche

Putin sandte Grüße zu den Wladimir-Feiern. Poroschenko sprach sich bei dem Gedenken dafür aus, eine von Moskau unabhängige orthodoxe Kirche in der Ukraine zu bilden. Auch Bulgarien, Rumänien, Georgien und Serbien hätten eigenständige Kirchen. Freilich müsse zunächst die Spaltung der ukrainischen Orthodoxie überwunden werden. Dort gibt es die Kirche des Moskauer Patriarchats, das 1992 gegründete Kiewer Patriarchat und die fast 100 Jahre alte Ukrainisch-Autokephale Orthodoxe Kirche. Von den 45,5 Millionen Einwohnern der Ukraine sind etwa 75 Prozent Mitglieder orthodoxer Kirchen, vier Prozent Muslime, 2,7 Prozent Protestanten und 2,4 Prozent Katholiken. Der Rest ist konfessionslos oder gehört anderen Religionen an. Von den 143 Millionen Einwohnern Russlands gehört etwa ein Viertel einer Kirche an. Die russisch-orthodoxe Kirche hat rund 35 Millionen Mitglieder. Etwa 100 Millionen Einwohner bezeichnen sich als orthodox, weil sie die Volkszugehörigkeit mit der Konfession gleichsetzen. Daneben gibt es 500.000 Katholiken, 200.000 Lutheraner, jeweils 150.000 Baptisten und Charismatiker, 120.000 Pfingstler und 70.000 Adventisten.