05.08.2015
Südsudan: Pastoren entrinnen der Todesstrafe
Sudanesischer Richter verhängt mildere Strafen und lässt die Geistlichen frei
Südsudan: Pastoren entrinnen der Todesstrafe
Sudanesischer Richter verhängt mildere Strafen und lässt die Geistlichen frei
Khartum (idea) – Im Sudan sind zwei evangelische Pastoren knapp der Todesstrafe entronnen. Die Geistlichen der südsudanesischen (reformierten) Presbyterianischen Kirche Yat Michael und Peter Yein Reith standen unter anderem wegen Spionage und Kriegsführung gegen den (nördlichen) Staat Sudan vor Gericht. Doch Richter Ahmed Ghaboush verurteilte Michael lediglich wegen „Störung des öffentlichen Friedens“ und Reith wegen „Organisation einer kriminellen Vereinigung“. Wie der Informationsdienst „World Watch Monitor“ berichtet, wurden die Verurteilten sofort auf freien Fuß gesetzt, weil sie ihre Freiheitsstrafen bereits durch ihre achtmonatige Untersuchungshaft verbüßt hätten. Beobachter führen den glimpflichen Ausgang des Verfahrens auf die internationale Aufmerksamkeit zurück, die der Prozess erregt hat. So waren bei der letzten Verhandlung am 23. Juli auch Vertreter mehrerer Botschaften anwesend.
EU-Parlament forderte Freilassung
Das Europaparlament hatte am 9. Juli in einem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss die sofortige Freilassung der beiden Pastoren gefordert. Der Appell ging auf eine Initiative des Abgeordneten Arne Gericke (Familienpartei) aus Tessin bei Rostock zurück. Gefordert wurde auch, dass die sudanesische Regierung jegliche Gewalt oder Verfolgung der Christen im Land unverzüglich unterbinde. Anlass für den Prozess war ein Besuch Michaels im Dezember 2014 in Khartum, um medizinische Hilfe für seinen Sohn zu erhalten. Nachdem er bei dieser Gelegenheit in einer presbyterianischen Kirche gepredigt hatte, nahmen ihn Geheimdienstmitarbeiter ohne Begründung fest. Sein Kollege Reith stellte daraufhin Nachforschungen in Khartum an. Als er am 11. Januar einen Brief im Büro für religiöse Angelegenheiten abgab, wurde er verhaftet.
Ehemalige „Gefangene des Monats“
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (Frankfurt am Main) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hatten die beiden Geistlichen im April als „Gefangene des Monats“ benannt und aufgerufen, für sie einzutreten und zu beten. 97 Prozent der rund 35 Millionen Einwohner des Sudans sind Muslime. Der Anteil von Christen liegt bei 1,5 Prozent. Seit der Unabhängigkeit des eher christlich geprägten Südsudans im Juli 2011 treibt der Sudan die Islamisierung voran. Auf die Abkehr vom Islam steht die Todesstrafe. Im vergangenen Jahr ordneten Behörden die Schließung und den Abriss von Kirchen an. Gegen Staatspräsident Omar Hassan al-Bashir hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) einen Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen.