06.08.2015
Irak: Christen begehen einen Tag der Trauer
Erbil (idea) – Als einen Tag der Trauer begehen irakische Christen den 6. August. Vor einem Jahr mussten 120.000 Hals über Kopf vor der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) aus Karakosch, der größten christlichen Stadt des Irak, fliehen. Sie flüchteten nach Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan. Dort leben viele noch heute in provisorischen Unterkünften. Nach Angaben des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (München) kann sich kaum einer von ihnen eine Zukunft in der Heimat vorstellen. Christen hätten dort keine Rechte und keine Sicherheit. Viele könnten aber aus finanziellen Gründen auch nicht in den Westen gehen. „Kirche in Not“ unterstützt die Versorgung von Flüchtlingen in Erbil. Der chaldäisch-katholische Priester Douglas Bazi begeht den 6. August mit einem Gottesdienst in Erbil. Für die Flüchtlinge sei dies nicht nur ein Tag der Trauer, sondern auch „der Tag, an dem uns Gott gerettet hat. Schließlich sind wir noch am Leben.“ Zwar könnten die Vertriebenen nicht vergessen, was geschehen sei; sie bäten Gott aber, den Tätern zu vergeben und ihr Denken zu verändern, so Bazi. „Kirche in Not“ ruft Christen in aller Welt auf, für die Vertriebenen zu beten.
Christen gekreuzigt oder geköpft
Bereits im Juni 2014 hatte der IS die nordirakische Großstadt Mossul eingenommen und Tausende Christen, Jesiden und gemäßigte Muslime vertrieben. Viele flohen zunächst in das rund 30 Kilometer entfernte Karakosch, bis auch diese Stadt Anfang August gestürmt wurde. Der IS will im Irak, Syrien und im nordafrikanischen Libyen ein Kalifat errichten, in dem das Religionsgesetz Scharia mit äußerster Brutalität durchgesetzt wird. Christen, die sich weigern, Muslime zu werden oder eine Kopfsteuer zu zahlen, werden getötet, teilweise auch gekreuzigt oder geköpft. Mädchen und Frauen werden auf Märkten als Sex-Sklavinnen an IS-Kämpfer verkauft.
UN-Sondergesandte: Preisliste für Sex-Sklavinnen
Die UN-Sondergesandte für „sexuelle Gewalt in Konflikten“, Zainab Bangura (Freetown/Sierra Leone), hat jetzt eine „Preisliste“ des IS für Sex-Sklavinnen veröffentlicht. Die höchsten Preise erzielen danach Mädchen unter zehn Jahren. Sie würden für umgerechnet 150 Euro feilgeboten, Mädchen und Jugendliche von zehn bis 20 Jahren für 114 Euro, 20- bis 30-jährige Frauen für 78 Euro, 30- bis 40-Jährige für 60 Euro und 40- bis 50-Jährige für 37 Euro. Laut Bangura handelt es sich bei den Sex-Sklavinnen meist um Christinnen, Jesidinnen oder gemäßigte Musliminnen. Die „Käufer“ seien zum einen IS-Kämpfer, zum anderen aber auch reiche Araber. Bangura verurteilt diese Praktiken auf das Schärfste: „Die Mädchen und Frauen werden wie Benzinkanister verhökert.“
IS beschimpft Merkel als „schmutzige Hündin“
Erstmals hat der IS ein deutschsprachiges Video veröffentlicht. Darin drohen ein Deutscher mit Kampfnamen Abu Omar al-Almani und der österreichische Extremist Mohammed Mahmoud mit Anschlägen als Vergeltung für die deutsche Unterstützung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak und den Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Die Terroristen beschimpfen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als „schmutzige Hündin“. Das Video zeigt auch die Erschießung von zwei am Boden knienden Männern.
Mutmaßlicher IS-Anwerber in Asylunterkunft verhaftet
In einer Asylunterkunft in Ludwigsburg bei Stuttgart ist am 4. August ein mutmaßlicher IS-Unterstützer festgenommen worden. Der 21 Jahre alte Marokkaner steht im Verdacht, Kämpfer für die Terrororganisation zu rekrutieren. Insgesamt sollen etwa 720 Personen aus Deutschland nach Syrien gereist sein, um sich dort am Bürgerkrieg zu beteiligen. Etwa ein Drittel von ihnen soll aber enttäuscht wieder zurückgekehrt sein. Zwei mutmaßliche IS-Kämpfer stehen derzeit in Celle (Lüneburger Heide) wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor Gericht.