12.08.2015
Deutschland: Was hilft den Balkanstaaten?
„Pro und Kontra“ zum Umgang mit Zuwanderern
Wetzlar (idea) – Über den Umgang mit Zuwanderern aus dem Westbalkan gehen die Meinungen evangelischer Experten auseinander: Sollte Deutschland sie aufnehmen oder heimschicken? Einerseits bluten die Länder immer weiter aus, wenn Fachkräfte ins Ausland abwandern. Andererseits handelt es sich bei den Ankömmlingen um Angehörige von verfolgten Minderheiten; dann darf man sie nicht abweisen. Von den etwa 82.000 Personen, zum Beispiel Serben, Albaner, Kosovaren und Mazedonier, die im ersten Halbjahr vom Balkan nach Deutschland kamen, werden nur 0,1 Prozent als Asylanten anerkannt. Über die Konsequenzen vertreten zwei Fachleute unterschiedliche Meinungen in einem „Pro und Kontra“ im evangelischen Wochenmagazin ideaSpektrum (Wetzlar).
Den Balkanländern fehlen Führungskräfte
Heinz Spindler, Serbien-Beauftragter der evangelikalen Organisation „Hilfe für Brüder International“ (Stuttgart), hat zwar Verständnis für die Menschen, weil die Lage in ihren Herkunftsländern oft hoffnungslos sei und die Korruption grassiere. Doch es schade diesen Staaten, wenn die Intelligenz wegziehe. Denn gerade diese Personen besäßen die Fähigkeiten und Begabungen, ihre Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Die Länder brauchten Führungskräfte, die Arbeitsplätze und damit Lebensräume schaffen. Das werde freilich nicht ohne Unterstützung aus dem Westen gehen.
Erst ausbilden, dann heimkehren
Für eine vorübergehende Aufnahme der Menschen aus den Balkanländern plädiert hingegen der Migrationsbeauftragte der evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar, Diakon Harald Würges (Wetzlar). Er verweist darauf, dass Angehörige von Minderheiten dort „auf keinen grünen Zweig“ kommen. Das gelte besonders für die verachteten Sinti und Roma. Daher sei es sinnvoll, sie aufzunehmen und für ihre Schul- und Berufsausbildung zu sorgen. Erst dann könnten sie heimkehren und ihre Länder aufbauen helfen. Würges: „Wer jetzt die Balkanstaaten zu ‚sicheren Drittstaaten’ erklärt, der hilft nicht den verfolgten Menschen, er verstärkt die Spannungen in unsicheren Staaten.“