13.08.2015

IS: Christen fordern mehr Einsatz gegen IS

Aramäer: Der Westen scheint gegenüber dem Terror abgestumpft zu sein

IS: Christen fordern mehr Einsatz gegen IS

Aramäer: Der Westen scheint gegenüber dem Terror abgestumpft zu sein

Heidelberg/Washington (idea) – Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) setzt ihre Gräueltaten mit unverminderter Brutalität fort. So hat die Miliz nach eigenen Angaben den vor drei Wochen in Ägypten entführten Kroaten Tomislav Salopek enthauptet. In Syrien sind Hunderte entführte Christen ebenfalls vom Tode bedroht. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die dem Westen angesichts der fortgesetzten Tragödie im Mittleren und Nahen Osten Untätigkeit vorwerfen. Nach Angaben des syrisch-orthodoxen Erzbischofs Mor Silvanus Petros Al-Nemeh (Homs) befinden sich noch 270 aramäische Christen in der Gewalt schwer bewaffneter IS-Milizen. Die Geiseln wurden am 7. August aus der Stadt Karjatain zum großen Teil aus einer Kirche vertrieben und verschleppt. Darunter sind ältere Menschen, Kinder und schwangere Frauen. IS hält auch immer noch 205 syrische Christen gefangen, die Ende Februar beim Überfall auf 35 Dörfer am Fluss Khabur entführt wurden. Insgesamt wurden 3.000 vertrieben. Inzwischen hat IS 22 Assyrer, darunter 14 Frauen, freigelassen. Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland (Heidelberg) fordert die Bundesregierung und die Staatengemeinschaft auf, sich mit aller Entschlossenheit für die Entführten einzusetzen. Jeder Tag könne entscheidend sein. Der Bundesvorsitzende Danyel Demir: „Was mit Christen und Andersgläubigen bzw. Andersdenkenden derzeit im Nahen Osten unter IS-Herrschaft geschieht, scheint auch die westliche Welt abgestumpft zu haben.“ In Deutschland leben etwa 100.000 christliche Aramäer, in der EU rund 300.000.

Westen – stiller Komplize der Christenverfolgung?

Auch der katholische Erzbischof Maroun Elias Nimeh Lahham, Patriarchalvikar für Jordanien beklagt, dass sich die internationale Staatengemeinschaft zu wenig engagiere. Sie mache sich zum „stillen Komplizen“ der Christenverfolgung, sagte er einem Bericht des Informationsdienstes Catholic World News zufolge. Der frühere Stabschef von US-Präsident George W. Bush, John Sununu, warf der Regierung von Präsident Barack Obama vor, der christlichen „Tragödie“ im Irak und Syrien weitgehend gleichgültig gegenüberzustehen. Sununu: „Ich kann gar nicht glauben, dass diese Regierung und dieser Präsident nicht verstehen, dass da eine konzertierte Aktion im Gange ist, die die christliche Gemeinschaft im Irak und in Syrien zerstören will. Sie werden abgeschlachtet.“ Obama ist von Republikanern dafür kritisiert worden, dass er es vermieden hat, ausdrücklich Christen als Verfolgte zu benennen.

IS strebt die Weltherrschaft an

IS hat seit Juni 2014 hunderttausende Christen, Jesiden und gemäßigte Muslime aus dem Nordirak und Syrien vertrieben und dort ein Kalifat eingerichtet, in dem das Religionsgesetz Scharia mit brutalsten Mitteln durchgesetzt wird. Wer sich IS widersetzt, muss damit rechnen, gekreuzigt, geköpft oder vergewaltigt zu werden. Mädchen und Frauen werden als Sexsklavinnen auf Märkten verkauft. IS plant, ein Kalifat für alle 1,6 Milliarden Muslime zu errichten. Eine „letzte Schlacht“ solle dazu führen, dass der Islam ganze Welt beherrsche, heißt es in einem Rekrutierungsdokument. Darin kündigt IS an, jeden zu köpfen, der sich gegen Allah auflehne. Seit einem Jahr bekämpft eine US-geführte Militärallianz IS in Syrien und dem Irak. Doch obwohl etwa 10.000 Dschihadisten durch Luftangriffe getötet wurden, hat sich die Zahl der Kämpfer nicht verringert, weil es dem IS gelingt, ständig neue zu rekrutieren. Die Gesamtzahl soll sich auf 20.000 bis 30.000 belaufen.