16.08.2015
Japan: Religionsvermischung gehört zum Alltag
Auch in westlichen Ländern findet der Glaubensmix zunehmend Anklang
Japan: Religionsvermischung gehört zum Alltag
Auch in westlichen Ländern findet der Glaubensmix zunehmend Anklang
Frankfurt am Main (idea) – Japan ist eines der wenigen Länder, in denen die meisten Menschen Religionsvermischung praktizieren – aber auch im Westen findet dies zunehmend Anklang. 83 Prozent der 127 Millionen Japaner vereinen ihre Urreligion, den Schintoismus, mit dem Buddhismus. „Im Prinzip sind die Japaner das, was ihnen gefällt, und glauben an die Götter, die ihnen zusagen“, berichtet das Internetportal japaniac.de (Frankfurt am Main). Der Schintoismus sei ein Naturglaube mit vielen Gottheiten. Prinzipiell könne alles ein Gott sein, etwa ein Fluss oder ein Tier; selbst in Haushaltsgegenständen könnten sich Gottheiten zeigen. Hingegen sei der Buddhismus, der im fünften und sechsten Jahrhundert aus China nach Japan kam, ernster und befasse sich mehr mit dem Streben nach Erleuchtung und dem Jenseits. Aber auch hier gebe es verschiedene Götter, die unterschiedliche Aspekte des Lebens darstellten und um Hilfe angerufen werden könnten. Den Ahnen werde im Haus der Familie ein Altar geweiht, auf dem Räucherstäbchen angezündet und den Verstorbenen Speisen dargebracht würden. Die Familie bitte dabei um eine gute Wiedergeburt für ihre Verstorbenen und um Schutz für sich selbst.
Christliche Hochzeiten sind beliebt
Die Japaner sähen den Religionsmix entspannt. Es komme darauf an, welche Religion man für welchen Lebensaspekt lieber möge. Sie feierten beispielsweise das neue Jahr zweimal – einmal am buddhistischen Tempel und einmal am Schinto-Schrein. Alles, was mit dem Tod zusammenhänge, feiere man buddhistisch, weil der Buddhismus durch die Wiedergeburt Hoffnung für das Leben nach dem Tod gebe. Der Schintoismus biete hingegen Riten für eine gute Ernte, Schutz durch Naturgottheiten und viele Feiern. Das Christentum erfreue sich bei der Heirat großer Beliebtheit: „Viele wollen eine schöne Hochzeit in Weiß.“ Dafür müssten die Brautpaare für einige Wochen ein Seminar besuchen. Manche Christen gliederten auch die Götterwelt in ihren Glauben ein. Etwa 1,6 Prozent der Japaner sind Christen, 15 Prozent Nichtreligiöse und der Rest Anhänger anderer Religionen.
„Buddhistische Christen“
Das japanische Beispiel der Religionsvermischung macht nach Ansicht des Religionswissenschaftlers Prof. Perry Schmidt-Leukel (Münster) auch im Westen Schule. So gebe es „buddhistische Christen“ und „buddhistische Juden“. Einen Hauptgrund sieht er darin, dass dem Christentum in der Moderne eigene Meditationsformen weitgehend abhanden gekommen seien. Erhebungen wie der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) zeigten, dass 32 Prozent der US-Amerikaner und 22 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben auf Lehren verschiedener religiöser Traditionen zurückgreifen.