17.08.2015

Sri Lanka: Evangelikale geraten weiter unter Druck

Behörden und Buddhisten wollen Dorfkirchen schließen lassen

Sri Lanka: Evangelikale geraten weiter unter Druck

Behörden und Buddhisten wollen Dorfkirchen schließen lassen

Colombo (idea) – In Sri Lanka, wo am 17. August Parlamentswahlen begonnen haben, ist die christliche Minderheit immer wieder schweren Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt. Darüber informiert die Evangelische Allianz des Inselstaats im Indischen Ozean. Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit zusichert, kommt es regelmäßig zu Übergriffen der Behörden sowie von Buddhisten. Diese stellen die Bevölkerungsmehrheit und lehnen vielfach das Christentum als eine „fremde Religion“ ab. So wurde am 11. Juli ein Kirchengebäude in Hatharaliyadda (Distrikt Kandy) in Brand gesteckt. Die Polizei verweigerte danach dem Pastor den Wunsch, ein provisorisches Gebäude zu errichten. Zuvor müsse er dafür eine staatliche Genehmigung einholen. Am 21. Juli erklärten Inspektoren des Distrikts Batticaloa Gottesdienste einer evangelikalen Gemeinde für unzulässig. Falls sie weiter Gottesdienste feiere, würden die Besucher vorläufig festgenommen und zum Verhör in eine Polizeistation gebracht. Am 5. Juli umzingelten etwa 50 Dorfbewohner während des Gottesdienstes eine protestantische Gemeinde in Padukka (Distrikt Colombo). Am folgenden Tag musste sich der Pastor bei der Polizei melden. Dort verlangte ein buddhistischer Mönch, dass der Geistliche jegliche gottesdienstlichen Aktivitäten sofort einstelle. Begründung: Es handele sich um ein buddhistisches Dorf. Der Pastor berief sich zwar auf seine Grundrechte, doch die Polizei erstattete dennoch Anzeige gegen ihn, weil seine Kirche keine gesetzlich zugelassene Gottesdienststätte sei. Ähnlich erging es einer Gemeinde in Pilaw (Distrikt Puttalam) Anfang Juli. Am 8. Juli störten ferner Bewohner des Dorfes Karuwalagasweva (Distrikt Puttalam) ein Begräbnis, das vom örtlichen Pfingstpastor geleitet wurde.

Abgewählter Präsident könnte Regierungschef werden

Sri Lanka litt jahrzehntelang unter einem Bürgerkrieg zwischen der singhalesischen – meist buddhistischen – Mehrheit und Aufständischen der tamilischen – meist hinduistischen – Minderheit. Im Jahr 2009 beendete Präsident Mahinda Rajapaksa den Konflikt mit harter Hand. Im Januar dieses Jahres wurde er überraschend abgewählt. Jetzt bewirbt er sich bei den Parlamentswahlen um ein Mandat. Falls er es gewinnt, könnte er zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Der neue Präsident Maithripala Sirisena vertritt eine auf Versöhnung und demokratische Öffnung ausgerichtete Politik. Von den knapp 22 Millionen Einwohnern Sri Lankas sind 70,2 Prozent Buddhisten, 12,6 Prozent Hindus, 9,7 Prozent Muslime und 7,5 Prozent Christen. Die Evangelische Allianz repräsentiert mehr als 200.000 Evangelikale in über 200 Gemeinden und Organisationen. Als Generalsekretär amtiert seit über 25 Jahren Pastor Godfrey Yogarajah (Colombo). Er ist auch Direktor der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz. Kürzlich wurde er mit der zweithöchsten Auszeichnung Sri Lankas geehrt, dem Titel „Deshamanya“ (Stolz der Nation).