25.08.2015
Vietnam: Kauder hofft auf mehr Religionsfreiheit
Unionsfraktionsvorsitzender: Ankündigungen müssen Taten folgen
Vietnam: Kauder hofft auf mehr Religionsfreiheit
Unionsfraktionsvorsitzender: Ankündigungen müssen Taten folgen
Hanoi (idea) – Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hofft, dass es im kommunistisch regierten Vietnam bald mehr Religionsfreiheit gibt. Nach seinem ersten Besuch in dem südostasiatischen Land erklärte Kauder, die Regierung in Hanoi sei zu einem vertieften Dialog über Menschenrechtsfragen bereit. Damit lege sie die Grundlage für einen Ausbau der Beziehungen mit Deutschland, auch der wirtschaftlichen. Kauder: „Den Ankündigungen sollten nun rasch Taten folgen.“ Der CDU-Politiker traf unter anderem mit Außenminister Pham Binh Minh sowie dem katholischen Erzbischof von Hanoi, Peter Nguyen Van Nhon, zusammen.
Neues Religionsgesetz geplant
Im Blick auf die Religionsausübung schätzen Vertreter des Staates und der Religionsgemeinschaften die Lage unterschiedlich ein. Die Regierung habe betont, so Kauder, dass sie die Glaubensfreiheit respektiere. In den Gesprächen mit Christen und Buddhisten ist es Kauder aber deutlich geworden, dass weiter Defizite bei der Verwirklichung zu beklagen sind. Es gebe den Schilderungen zufolge mitunter tätliche Übergriffe auf Gläubige, hinter denen letztlich Sicherheitsorgane stehen sollen. Der Bau von Kirchen und die Gründung christlicher Schulen werde behindert. Christen hätten auch Probleme beim beruflichen Aufstieg. Die Vertreter von Regierung und Partei verweigerten sich einem Dialog über diese Fragen nicht, stellte Kauder fest. Wie weit diese Bereitschaft gehe, werde sich unter anderem beim geplanten Religionsgesetz zeigen. Bislang seien die Kirchen vom Wohlwollen der Behörden abhängig; sie besäßen keine zureichenden verbrieften Rechte. Das neue Gesetz sollte die Rechtslage verbessern. Ein weiterer Prüfstein für die Toleranz der vietnamesischen Regierung sei der Fortbestand des katholischen Nonnenklosters Thu Thiem in Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon).
Menschenrechtler: Behörden gehen verstärkt gegen Christen vor
Jüngst hatten christliche Menschenrechtsorganisationen berichtet, dass die kommunistischen Behörden wieder verstärkt gegen Christen vorgingen. Besonders betroffen seien Minderheitenvölker wie die Hmong. Von den rund 550.000 Angehörigen dieses ursprünglich naturreligiösen Volkes sind schätzungsweise 400.000 Christen geworden. Die Machthaber befürchteten, dass sich durch das Wachstum christlicher Gemeinden eine separatistische Bewegung ausbreiten könne. Christen würden auch vermehrt zu Haftstrafen verurteilt, weil sie gegen das Religionsgesetz aus dem Jahr 2013 verstoßen haben sollen. Es zwingt Religionsgemeinschaften, ihre Aktivitäten in allen Einzelheiten registrieren zu lassen, wenn sie offiziell anerkannt werden wollen. Unter Strafe steht ferner die „Manipulation der Religions- und Glaubensfreiheit, um die nationale Einheit zu untergraben“. Von den rund 90 Millionen Einwohnern Vietnams sind 52,5 Prozent Buddhisten, 23,2 Prozent Nicht-Religiöse und knapp zehn Prozent Christen, meist Katholiken. Der Rest gehört Stammes- oder Naturreligionen an oder ist konfessionslos.