30.08.2015

ZAR: Es gibt Anzeichen für Frieden

Christen und Muslime engagieren sich für Versöhnung

ZAR: Es gibt Anzeichen für Frieden

Christen und Muslime engagieren sich für Versöhnung

Bangui/Kelkheim (idea) – In der Zentralafrikanischen Republik sehen Beobachter Anzeichen für Frieden und Versöhnung. Der seit mehr als zwei Jahren andauernde blutige Konflikt zwischen islamistischen Seleka-Milizen und christlichen Anti-Balaka-Kämpfern hat zu zahlreichen Toten und Tausenden Vertriebenen geführt. Insbesondere die Zusammenarbeit führender Geistlicher aus beiden Religionsgemeinschaften gebe Anlass zu vorsichtigem Optimismus, berichtet das christliche Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main). Für ihr gemeinsames Eintreten für Versöhnungsinitiativen wurden der Präsident der nationalen Evangelischen Allianz, Pfarrer Nicolas Guérékoyamé-Gbangou, der katholische Erzbischof von Bangui, Dieudonné Nzapalainga, und der Präsident des Islamischen Rates, Imam Omar Kobine Layama, mit dem Sergio-Vieira-de-Mello-Weltbürger-Preis geehrt. Er wurde ihnen am 19. August am Genfer Sitz der Vereinten Nationen überreicht. Laut Open Doors berichteten die Geistlichen, dass sich die Sicherheitslage in ihrem Land deutlich verbessert habe. Nur noch in einigen Gebieten gebe es weiterhin gewaltsame Übergriffe. In der Hauptstadt Bangui habe sich das Leben weitgehend normalisiert, sogar in dem berüchtigten Stadtviertel „PK5“. Das wirtschaftliche Zentrum der Stadt, habe lange Zeit als Rückzugsgebiet der Seleka-Milizen und damit als „No-go-Area“ für Nicht-Muslime gegolten. Mittlerweile könnten sich wieder Menschen aller Glaubensrichtungen dort frei bewegen. Dies sei ein Anzeichen für die beginnende Normalisierung der Verhältnisse im Land. Der blutige Konflikt begann im März 2013, als die radikal-islamische Seleka-Bewegung die Regierung des von Christen unterstützten Staatspräsidenten Francois Bozizé stürzte. Daraufhin organisierten Christen, die um ihr Leben fürchten, Bürgerwehren. Die Selbstverteidigungsgruppen, die „Anti-Balaka-Milizen“ (Gegen die Macheten), entwickelten sich ebenfalls zu machthungrigen Organisationen. Sie wollten das Land „muslimfrei“ machen, erklärten ihre Anführer.

Verwunderung über Amnesty International

Den Angaben zufolge hat ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International über die religiöse Situation in der Zentralafrikanischen Republik Verwunderung ausgelöst. Darin würden Zwangsbekehrungen von Muslimen angeprangert. Zahlreiche Muslime beklagten, seit der Rückkehr in ihre Dörfer in den westlichen Landesteilen am Ausüben ihrer Religion gehindert zu werden. Die drei Geistlichen widersprachen dieser Darstellung und äußerten ihre Sorge, dass derartige Berichte ihre Bemühungen um Versöhnung erschwerten. Sie seien von den Autoren des Berichtes nicht befragt worden. „Wir erleben zurzeit, dass die Bevölkerung sich wieder vermischt. In Bangui und anderen Orten sind Muslime nicht länger gezwungen, in Ghettos zu leben, wie es während der Krise zum Teil der Fall war. Sie können ungehindert ihren Geschäften nachgehen“, kommentierte Layama den Bericht. Bischof Nzapalainga ergänzte: „Ich möchte daran erinnern, dass ich auf dem Höhepunkt der Krise Imam Layama Zuflucht bei mir gewährt habe. Tausende Muslime sind in Kirchen aufgenommen worden, und selbst in PK5 wurden in einigen Moscheen Christen versteckt. Wenn Extremisten Gewalttaten begehen, distanzieren wir uns davon. Glaubensfreiheit ist in unserem Land eine Realität.“


Reich an Rohstoffen

Die Zentralafrikanische Republik gehört trotz ihres Reichtums an Rohstoffen - besonders Diamanten - zu den ärmsten Staaten Afrikas. Die Lebenserwartung liegt unter 50 Jahren, die Kindersterblichkeitsrate beträgt mancherorts 25 Prozent. Katholiken und Protestanten stellen jeweils rund 25 Prozent der rund fünf Millionen Einwohner; 15 Prozent sind Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.