09.07.2015

Nigeria: Boko Haram will Gefangenenaustausch

Entführte Schülerinnen: Die nigerianische Regierung überlegt, ob sie auf das Angebot eingehen soll

Nigeria: Boko Haram will Gefangenenaustausch

Entführte Schülerinnen: Die nigerianische Regierung überlegt, ob sie auf das Angebot eingehen soll

 

Abuja (idea) – Die islamische Terrororganisation Boko Haram hat der nigerianischen Regierung einen Gefangenenaustausch angeboten. Die Islamisten wollen etwa 200 christliche Schülerinnen im Gegenzug für ihre Kämpfer freilassen, die von der Regierung inhaftiert sind. Boko Haram hatte am 14. April 2014 in Chibok (Bundesstaat Borno) 276 Mädchen verschleppt; die meisten kommen aus christlichen Familien. 57 konnten entkommen; von den übrigen fehlt jede Spur. Sie wurden nach Berichten von Entflohenen fast täglich vergewaltigt oder als Sex-Sklavinnen an Muslime verkauft. Als Folge des Missbrauchs haben inzwischen einige Kinder zur Welt gebracht. Alle Bemühungen, die Geiseln zu befreien, sind fehlgeschlagen. Die Entführung hatte weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Mit dem Slogan „Bring back our girls“ (Bringt unsere Mädchen zurück) hatten prominente Persönlichkeiten, bis hin zur Gattin des US-Präsidenten, Michelle Obama, die Freilassung der Mädchen gefordert.

2014 scheiterte ein möglicher Austausch

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bewegung einen entsprechenden Austausch angeboten. Damals hatte die nigerianische Regierung das Angebot zurückgewiesen. Wie sich die neue Führung unter dem muslimischen Präsidenten Muhammadu Buhari zu der neuen Offerte verhält, ist noch unklar. Ein Ratgeber Buharis, Femi Adesina, sagte, dass die Regierung Gesprächen mit der Organisation „nicht ablehnend“ gegenüberstehe. „Die meisten Kriege, egal wie heftig oder bösartig sie sind, enden oft am Verhandlungstisch“, so Adesina. Der britische Hochkommissar in Nigeria, Sir Andrew Pocock, sagte, sein Land ermutige Nigeria nicht zum Dialog mit der Terrororganisation. Allerdings gestand er ein, dass eine militärische Befreiung extreme Risiken berge und ein „schreckliches Dilemma“ darstelle. Der einzige Weg, die Mädchen freizubekommen, ist seiner Ansicht nach die Zerschlagung von Boko Haram. In Länder des Commonwealth entsendet die britische Regierung Hochkommissare, die dort die Funktion von Botschaftern übernehmen.

Christin gesteinigt, weil sie nicht Muslimin werden wollte

Eines der entführten Mädchen wurde offenbar ermordet, nachdem sie es abgelehnt hatte, zum Islam überzutreten. Ihr Vater, ein Pastor, berichtet in einem Video: „Mir wurde gesagt, dass sich meine Tochter weigerte, ihre Religion zu wechseln. Daraufhin haben sie ein Loch gegraben, sie vom Hals ab eingegraben und gesteinigt.“ Er sei dankbar, dass seine Tochter für Christus gestorben sei. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schätzt, dass durch den Boko-Haram-Terror seit 2009 mindestens 17.000 Menschen getötet wurden, 5.500 allein seit Jahresbeginn. Von den 173 Millionen Einwohnern des westafrikanischen Landes sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Kirchenmitglieder. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen. Die Christen leben meist im Süden und die Muslime im Norden.