10.07.2015
Deutschland: Abi-Gottesdienst für Christen und Muslime
Kirchhain: Leiter der Gesamtschule spricht von einer kleinen Revolution
Deutschland: Abi-Gottesdienst für Christen und Muslime
Kirchhain: Leiter der Gesamtschule spricht von einer kleinen Revolution
Kirchhain/Stadtallendorf (idea) – Erstmals haben Christen und Muslime unter den Abiturienten der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule (Mittelhessen) mit einem Gottesdienst gemeinsam das Ende ihrer Schulzeit gefeiert. Der Schulleiter der Gesamtschule, Matthias Bosse, hatte dazu die Idee, wie er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte. Ihm sei es wichtig gewesen, zum Ende der Schulzeit einen geistlichen Akzent zu setzen. Doch ein rein christlicher Gottesdienst hätte nur wenige Interessenten gefunden. „Gerade hier auf dem Land lässt die christliche Prägung immer mehr nach. Vielleicht wären 20 Abiturienten gekommen. Die hätten sich doch verloren gefühlt“, so Bosse. In Gesprächen mit dem Kirchhainer Imam Hakan Bozburun und dem evangelischen Schulseelsorger Pfarrer Gerhard Zimmer habe er eine Offenheit auf beiden Seiten für einen gemeinsamen Gottesdienst gespürt. Dass er in der evangelischen Stadtkirche in der Nachbarstadt Stadtallendorf möglich geworden sei, hält Bosse für „eine kleine Revolution“. Denn gemeinsame Gottesdienste von Christen und Muslimen habe es bisher in Kirchhain nicht gegeben. Rund 100 Besucher wurden gezählt, darunter etwa 20 muslimische Schüler mit ihren Eltern. Die Kirche habe man ausgewählt, weil sie in direkter Nähe der Stadthalle liegt, in der anschließend der Abiturball gefeiert wurde.
Unterschiede wurden nicht aufgehoben
In dem Gottesdienst unter dem Motto „Gemeinsam vor Gott“ präsentierte der Leistungskurs evangelische Religion der Jahrgangsstufe 12 ein Theaterstück. Die Abiturienten beteten für ein friedliches Miteinander aller Menschen. Schulseelsorger Zimmer und Imam Bozburun hielten gemeinsam eine Ansprache, bei der sie sich abwechselten. Wie der Pfarrer erläuterte, hat der Gottesdienst die Unterschiede zwischen den Religionen nicht aufgehoben. Er sei vielmehr Ausdruck eines freundlichen Miteinanders im Sinne einer guten Nachbarschaft.
Rückendeckung vom Propst: Es gab keine Beschwerden
Der Propst des Sprengels Waldeck und Marburg der Evangelischen Kirchen von Kurhessen-Waldeck, Helmut Wöllenstein (Marburg), stellte sich gegenüber idea hinter den Gottesdienst: „Multireligiöse Gebete und Gottesdienste sind dann für uns kein Problem, wenn die verschiedenen Traditionen nicht vermischt werden.“ Er habe von keinen Beschwerden gehört.