10.07.2015

Iran: Gefangener Pastor Behnam Irani in Hafturlaub

IGFM: Ablenkung im Verhandlungspoker um Sanktionen und Nuklearprojekt

Iran: Gefangener Pastor Behnam Irani in Hafturlaub

IGFM: Ablenkung im Verhandlungspoker um Sanktionen und Nuklearprojekt

Karaj / Frankfurt am Main (IGFM 10. Juli 2015) – Wie jetzt bekannt wurde, ist der iranische Pastor Behnam Irani am 4. Juli für 15 Tage in einen befristeten Hafturlaub entlassen worden. Irani ist einer der international bekanntesten politischen Gefangenen der Islamischen Republik. Der ehemalige Muslim war im vergangenen Oktober wegen seiner Arbeit als Pastor zu einer Gesamtstrafe von zunächst zwölf Jahren verurteilt worden. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) konnte durch internationale Proteste seine Verbannung in eine über tausend Kilometer von seinem Heimatort entfernt liegende Strafanstalt bisher verhindert und seine Gesamtstrafe auf sechs Jahre reduziert werden. Die IGFM sieht in dem Hafturlaub vor allem einen taktischen Schritt der iranischen Regierung in der Endphase der Nuklearverhandlungen.

Pastor Irani muss am 19. Juli wieder in das Gefängnis von Karaj bei Teheran zurückkehren. Für die Bürgschaft in Höhe von umgerechnet etwa 36.000 Euro musste seine Mutter ihr Eigenheim verpfänden. Irani ist seit vier Jahren das erste Mal wieder mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern zusammen.

Die IGFM unterstreicht, dass Irani ursprünglich nach islamischem Recht wegen „Kampf gegen Gott und Verderbenstiften auf Erden“ angeklagt war. Dieses „Verbrechen“ kann in der Islamischen Republik Iran sogar mit der Kreuzigung bestraft werden. Nach heftigen internationalen Protesten ließen die iranischen Behörden diesen Vorwurf jedoch fallen. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin sieht darin einen wichtigen Erfolg: „Ohne die internationale Aufmerksamkeit wären Irani – und andere Konvertiten – längst tot“. Der eigentliche Grund für die Verfolgung sei die christliche Gemeindearbeit. Die Islamische Republik wolle ehemalige Muslime einschüchtern und die Gemeinden zentraler Leitungspersonen berauben.

Hintergrund
Von den rund 75 Millionen Einwohnern des Iran sind nach offiziellen Angaben nur rund 280.000 Christen. Die Zahl ehemaliger Muslime, die zum Christentum übergetreten sind, ist unbekannt. Da der „Abfall vom Islam“ – ebenso wie Atheismus – mit dem Tod bestraft werden kann, treffen sich christliche Konvertiten nicht öffentlich, sondern in inoffiziellen Hausgemeinden. Vielfach sind sie Opfer von Drohungen, Verhaftungen und anderen Übergriffen durch die Behörden.

Zur Lage der Menschenrechte im Iran unter: www.igfm.de/iran