14.07.2015
Irak: Christen und Muslime kämpfen gegen IS
Rund 1.000 Christen reihen sich bei schiitischer Miliz ein
Irak: Christen und Muslime kämpfen gegen IS
Rund 1.000 Christen reihen sich bei schiitischer Miliz ein
Bagdad (idea) – Im Irak kämpfen Christen gemeinsam mit Muslimen gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). IS hat Hunderttausende Christen, Jesiden und schiitische Muslime vertrieben und begeht Gräueltaten wie Hinrichtungen und Vergewaltigungen an den Minderheiten. Etwa 1.000 Christen haben nach Angaben der Internetzeitung Christian Post eine eigene Miliz gebildet. Die „Babylonischen Brigaden“ haben sich bei schiitischen Milizen eingereiht, weil sie sich von der irakischen Regierung im Stich gelassen fühlen. Gemeinsam wolle man die eigenen Gebiete zurückerobern. IS unterscheide nicht zwischen Christen, Jesiden und Schiiten; sie brächten alle um, die nicht ihrer Ideologie folgten. Die Christen wollten ihren „muslimischen Brüdern“ helfen, den Irak zu befreien. Der 53-jährige frühere irakische Armeeoffizier Abu Yasser, der jetzt in der Miliz tätig ist, sagte, es sei nichts Neues, dass Christen und Muslime im Irak Seite an Seite kämpfen. Das sei bereits in den Streitkräften unter dem früheren Herrscher Saddam Hussein (1937-2006) der Fall gewesen.
Meldung aus israelnetz.com vom 14.7.2015:
Israelische Kämpferin aus Irak zurückgekehrt
Sie kämpfte in Syrien und im Irak gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Nun ist Gill Rosenberg nach Israel zurückgekehrt – und möchte Aufmerksamkeit für die humanitäre Krise in dem Kriegsgebiet wecken.
Gill Rosenberg stammt aus Kanada und wanderte 2006 nach Israel ein. Als sie hörte, wie vor allem Frauen und Mädchen unter der Terrorherrschaft des „Islamischen Staates“ (IS) leiden, wollte sie etwas dagegen tun. Sie entschied sich, als erste Israelin überhaupt an der Seite der kurdischen Rebellen gegen die Miliz zu kämpfen. Im vergangenen November schloss sie sich den Truppen in Syrien an, im Januar begab sie sich in den Irak, wo sie unter anderem an der Seite assyrischer Christen kämpfte. Am Wochenende ist sie über Paris nach Israel zurückgekehrt.
„Als Juden sagen wir: ‚nie wieder‘, mit Bezug auf den Holocaust . Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und jedem anderen Menschen“, sagte sie nach der Rückkehr in einem Interview der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. „Das hat mein Herz berührt, und ich wollte auf jedem möglichen Weg einen Beitrag leisten. Ich wusste, dass sie Kämpferinnen haben, also habe ich beschlossen, mich ihnen anzuschließen.“ Voraussetzungen dafür hatte sie im Wehrdienst in Israel erlangt: „Ich habe mit der israelischen Armee gekämpft; die Kurden haben mir beigebracht, den IS zu bekämpfen“, formulierte sie gegenüber dem Portal „I24news“ nach der Rückkehr ihr Fazit.
Wenige Wochen nach ihrer Ankunft im Kampfgebiet war das Gerücht entstanden, sie sei entführt worden. Am Tag danach schrieb Rosenberg auf Facebook: „Leute, ich bin völlig sicher und geschützt. Ich habe zu meinem eigenen Schutz keinen Zugang zum Internet oder zu anderen Medien. Ich kann nicht regelmäßig antworten.“ Sie habe nur zufällig den Blödsinn über ihre angebliche Entführung entdeckt, als sie einmal ins Internet gelangte.
Die 31-Jährige sagte in dem Interview, sie sei zeitweise nicht sicher gewesen, ob sie nach Israel zurückkehren würde. „Es ist schwer, meine Freunde zu verlassen, die dort kämpfen. Das ging mir die ganze Zeit durch den Kopf. Am Scheraton-Strand in Tel Aviv zu sitzen, während meine Freunde im Kampf ermordet werden, das ist ein schwerer Gedanke. Ich mag es nicht, dass man Israel und die USA beschuldigt, den IS geschaffen zu haben. Die beiden Regierungen von Israel und den USA trainieren den IS nicht, aber aus unerfindlichen Gründen denken das viele Leute. Das stimmt nicht. Es ist frustrierend, diese Anschuldigungen zu hören.“
Nach der Einreise wurde Rosenberg vom israelischen Inlandsgeheimdienst Schabak verhört. Bereits früher hatte sie ihre Erfahrungen mit den Sicherheitskräften gemacht: Im Jahr 2009 wurde sie nach einer gemeinsamen Operation von Israel und dem FBI wegen Betruges verhaftet. Sie verbrachte vier Jahre im Gefängnis. Ihre Haft wurde verkürzt, und sie musste nach Israel zurückkehren.
Für die Rechte von Kurden und Christen eintreten
Ihre Rückkehr aus dem Irak sei durch die politische und militärische Dynamik vor Ort ausgelöst worden, teilte Rosenberg nun mit. „Die iranische Einmischung und der Fortschritt des IS haben mich dazu gebracht, zu begreifen, dass es Zeit ist, nach Israel zurückzukehren.“ Unterstützung für die Rückkehr erhielt sie vom amerikanisch-israelischen Geschäftsmann Moti Kahana. Er hilft der syrischen Opposition seit Beginn des Bürgerkrieges vor vier Jahren.
Gegenüber „Yediot Aharonot“ nahm Kahana Bezug auf den amerikanisch-israelischen Journalisten Steven Sotloff, der im Herbst in Syrien hingerichtet wurde. Danach habe er nicht gewusst, dass sich noch eine Israelin im Kampfgebiet aufhalte. „Bei Steven war es zu spät. Also sagte ich, dass man sie finden muss, damit sie nicht dort ermordet wird. Ich wollte nicht, dass weiteres jüdisches Blut vergossen wird und das dem Staat Israel Kopfschmerzen bereitet.“
Rosenberg indes ist durch die humanitäre Krise in Syrien und dem Irak schwer erschüttert. Ins Kampfgebiet zurückkehren will sie derzeit nicht. Auf die Frage nach ihren Zukunftsplänen antwortete sie: „Ich werde meine Zeit für eine politische Betätigung investieren, um das Bewusstsein für die dortige Lage zu erhöhen, statt eine Kämpferin an der vordersten Frontlinie zu sein. Für die Rechte der Kurden im Irak und die Minderheiten dort aktiv sein.“ Sie wolle auch auf die Verfolgung von Christen und Jesiden aufmerksam machen.“ (eh)
Von: eh aus israelnetz.com