17.07.2015
Frankreich: „Hände weg von meiner Kirche!“
Widerstand gegen Umwandlung von Kirchen in Moscheen
Paris (idea) – In Frankreich regt sich heftiger Widerstand gegen den Vorschlag, ungenutzte katholische Kirchen in Moscheen umzuwandeln. Mehr als 40.000 Bürger haben die Petition „Hände weg von meiner Kirche!“ (Touche pas à mon église!) unterzeichnet. Darunter ist auch der frühere Staatspräsident und Vorsitzende der bürgerlich-konservativen Partei UMP, Nicolas Sarkozy. Der Präsident des französischen Muslimrates, Dalil Boubakeur (Paris), hatte im Juni in einem Interview mit dem französischen Radiosender „Europe 1“ vorgeschlagen, leerstehende Kirchen als Moscheen zu nutzen. Nach ersten Protesten ruderte er zurück und betonte, dass es dafür aktuell keine konkreten Pläne gebe. Nur die römisch-katholische Kirche habe das Recht, über die Nutzung ihrer Kirchen zu befinden. Die rund fünf Millionen Muslime in Frankreich beklagen eine Knappheit an Moscheen. Boubakeur schätzt den Bedarf auf über 5.000. Derzeit existieren rund 2.500 Moscheen; weitere 300 befinden sich im Bau. Die Zahl der Kirchen und christlichen Kapellen wird auf rund 45.000 geschätzt. Wegen des schwachen Gottesdienstbesuches sind zahlreiche katholische Kirchen wenig bis gar nicht genutzt. Gleichwohl lehnen mehr als zwei Drittel (67 Prozent) aller Franzosen eine Umnutzung als Moscheen ab.
Ziel: 100.000 Unterstützer
Das konservative Nachrichtenmagazin „Valeurs Actuelles“ (Aktuelle Werte), das die Petition gestartet hat, möchte mindestens 100.000 Unterstützer finden. Unter den Unterzeichnern sind auch der jüdisch-algerische Schriftsteller Eric Zemmour, der Philosoph Alain Finkielkraut – Sohn eines polnischen Juden, der den Holocaust im KZ Auschwitz überlebte – und die ehemalige Jugend-Staatssekretärin Jeannette Bougrab. Von den rund 66 Millionen Einwohnern Frankreichs sind 51 Prozent Katholiken. Der Anteil der Protestanten liegt bei drei Prozent. Rund neun Prozent sind Muslime. 31 Prozent bezeichnen sich als konfessionslos.