17.07.2015

Großbritannien: Anglikanischer Primas: Religion ist kein Zubehör

Wo Christen täglich um ihr Leben fürchten

Großbritannien: Anglikanischer Primas: Religion ist kein Zubehör

Wo Christen täglich um ihr Leben fürchten

Justin Welby: Der Glaube gehört zum Kern des Menschseins

London (idea) – Erzbischof Justin Welby (London), geistliches Oberhaupt von über 77 Millionen Anglikanern weltweit, hat die Bedeutung der Religion für die menschliche Existenz unterstrichen. Viele Zeitgenossen dächten, dass der Glaube so etwas wie ein optionales Zubehör des Lebens sei. Doch Menschen seien „nach Gottes Bild“ geschaffen; ihre religiösen Überzeugungen gehörten daher zum Zentrum ihres Wesens. Wenn man einer Person die Freiheit zu glauben – oder nicht zu glauben – nehme, verletze man den Kern ihres Menschseins, schreibt Welby in der Londoner Zeitung „The Times“. Religion definiere den Menschen. Welby: „Für mich als Christen gibt es Wichtigeres, als Jesus zu kennen, ihn zu lieben und ihm zu dienen.“ Freilich dürfe man niemanden zum Glauben zwingen. Jesus habe Menschen immer die freie Wahl gelassen, selbst den mit ihm gekreuzigten Verbrechern. Einer habe sich Jesus zugewandt, der andere habe ihn verflucht. Welby: „Das ist Freiheit – eine Freiheit, die jedem zusteht, den Glaubenden wie den Nicht-Glaubenden.“

Der Erzbischof weist in seinem Kommentar auf die vielfältigen aktuellen Verletzungen der Religionsfreiheit hin, die nicht nur Christen, sondern auch Muslime, Juden und andere beträfen. Im Nahen Osten und Teilen Afrikas wüteten die Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) und andere sogenannte „Heilige Krieger“, in Südindien würden Kirchen von Hindu-Extremisten niedergebrannt, in Teilen Birmas würden ebenfalls Kirchen und Moscheen attackiert, in der Zentralafrikanischen Republik hätten Christen Muslime angegriffen. Von den 37 anglikanischen Provinzen, die er seit seinem Amtsantritt als Primas im Jahr 2013 besucht habe, leide fast jede zweite unter religiöser Verfolgung. Dort fürchteten die Christen täglich um ihr Leben. Welby plädiert dafür, die positiv verändernde Kraft der Religionen von jenen „Mutationen“ zu unterscheiden, die so viel Schaden anrichten. Welby (59) war ursprünglich Ölmanager. Er zählt zum evangelikalen Flügel der anglikanischen Kirche.