17.07.2015

Iran: Und die Verfolgten?

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini hat das Atomabkommen mit dem Iran am 14. Juli 2015 als „Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt“ gewürdigt. Die Zukunft wird zeigen, ob dies auch für die Verfolgten und politisch Unterdrückten im Iran gilt.

hmk/mec. Jedenfalls ist in der Bevölkerung nach zwei Jahren Regierungszeit des neuen sogenannten „Reform“-Präsidenten und Mullah Hassan Rohani Ernüchterung eingetreten. Ausser seiner Charmeoffensive und Gesprächen mit dem Westen spüren die Menschenselbst nicht viel Veränderung im Land.

Im Gegenteil, die Zahl der Exekutionen ist mit 721 im Jahr 2014 sogar rekordverdächtig nach oben geschnellt. Ebenso tadeln in ihren Berichten 2014 der UN Generalsekretär und der UN Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, dass „im Besonderen gegen die schnell wachsenden evangelischen Christen systematisch mit gewaltsamen Übergriffen und einer weit verbreiteten Diskriminierung vorgegangen wird“.

Razzien und Verhaftungen
Allein im Dezember 2014 sassen mindestens 92 bekannte iranische Christen aufgrund ihres Glaubens im Gefängnis, obwohl nur 13 von ihnen ihre Gerichtsurteile kannten. Hausdurchsuchungen bei Christen und Razzien gegen christliche Hausversammlungen mit anschliessenden Verhaftungen haben seit Rohani wieder zugenommen. Meistens lautet die Urteilsbegründung gegen Christen offiziell „Spionage für feindliche Mächte“ oder „Unterminierung der nationalen Sicherheit.“

Etliche Gemeindeleiter wurden im Herbst 2014 mit dem Gerichtsurteil schuldig des „Mofsed -e-filarz“ („Verbreitung von Verderben über den Erdkreis“) konfrontiert, worauf im Iran die Todesstrafe steht. Pastor Behnam Irani, seine Frau und zwei Kinder, waren darüber entsetzt. Der Pastor wurde schon 2010 willkürlich eingesperrt, zunächst für zwei Monate, dann 2011 für ein Jahr und kurz vor der Entlassung für weitere fünf Jahre, nur weil er „vom Islam zum Christentum konvertierte, einen Hausgottesdienst leitete und mit Muslimen christliche Inhalte diskutierte“.

Verbannung bis 2023
Im Oktober 2014 wurde bei ihm und anderen verurteilten Christen die zunächst todeswürdige Anklage „Verbreitung von Verderben über den Erdkreis“ in eine „illegale Aktion gegen die nationale Sicherheit mit versuchtem politischen Umsturz“ umgewandelt, was weitere sechs Jahre Gefängnis mit Exil bis 2023 bedeutet. Das heisst, er wird im Iran an einen abgelegenen Gefängnisort verbannt, ohne Besuchsmöglichkeiten für Familie und Kinder. Diese Willkür ist für alle äusserst zermürbend und betrifft immer mehr Christen im Iran.

Kurz vor Jahresschluss, am Tag des Märtyrers Stephanus (26. Dezember 2014) wurde Pastor Viktor ins berüchtigte Evin-Gefängnis eingesperrt und mehr als zwei Monate in Einzelhaft festgehalten. Obwohl er ein offiziell registrierter Pfarrer ist, wurde sein Haus während einer Weihnachtsfeier von zivilen Revolutionsgardisten gestürmt und die Personalien aller Anwesenden wurden polizeilich aufgenommen. Pastor Viktor und zwei iranische Konvertiten wurden sofort inhaftiert. Die Anklage gegen den Pastor lautet: „Verbreitung einer fremden Religion“ und „Verführung von Muslimen“. Gesundheitlich schwer gezeichnet, wurde er schliesslich im März 2015 auf Kaution freigelassen, nur um auf das Gerichtsurteil und seine Gefängnisstrafe zu warten.

„Danke, dass Sie uns nicht vergessen“
Pastor Viktor bittet um Ihre Gebete. Er braucht einen geeigneten Anwalt, der ihn vor Gericht vertritt. Dies ist nicht einfach, da die Anwälte bei einem allfälligen Engagement um ihre eigene Sicherheit fürchten. Bitte beten Sie für unsere iranischen Glaubensgeschwister, die weiterhin unsägliches Leid über sich ergehen lassen müssen. Doch allen Repressionen zum Trotz wächst die iranische Kirche so stark wie keine andere Kirche der Welt. Als HMK unterstützen wir unsere bedrängten iranischen Geschwister vor Ort. Sie lassen Ihnen ausrichten: „Ihre Solidarität macht uns Mut. Danke, dass Sie uns nicht vergessen. Der HERR segne Sie!“

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