17.07.2015
Nepal: Einschränkung der Religionsfreiheit
Hindu-Partei will Anti-Bekehrungsgesetz durchsetzen
Kathmandu (idea) – Im hinduistisch geprägten Himalaja-Staat Nepal sind die Folgen der schweren Erdbeben vom April und Mai mit fast 8.800 Todesopfern noch nicht behoben, da droht den religiösen Minderheiten weiteres Ungemach. Christliche Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass ihre Religionsfreiheit stärker eingeschränkt werden könnte. Der Grund ist, dass die verfassungsgebende Versammlung, die seit 2008 ohne Ergebnis an einem neuen Grundgesetz arbeitet, am 8. Juni ihre Beratungen wieder aufgenommen hat. Die Hinduistische Partei Nepals schlage ein Anti-Bekehrungsgesetz vor, das die Glaubensfreiheit besonders der christlichen Minderheit beschneiden würde, erklärt die Organisation „Christliche Solidarität Weltweit“ (CSW). In einer Passage des Entwurfs heiße es, niemand dürfe versuchen, einen Bürger zum Religionswechsel zu bewegen oder die Religion eines anderen zu stören. Verstöße könnten mit Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren geahndet werden. Unter diesem Gesetz würden sich Christen strafbar machen, wenn sie die christliche Botschaft weitersagen. Laut CSW erhebt die Hindu-Partei Vorwürfe, dass Hindus Massenbekehrungen ausgesetzt seien. In Indien sind solche Gesetze bereits in fünf der 29 Bundesstaaten in Kraft.
Vom hinduistischen Königreich zur Republik
Von den 26,5 Millionen Nepalesen sind 75 Prozent Hindus, 16 Prozent Buddhisten, fünf Prozent Christen und vier Prozent Muslime. Nepal war bis ins 20. Jahrhundert hinein ein weithin von der Außenwelt abgeschlossenes hinduistisches Königreich. Christliche Missionswerke durften nur als humanitäre Hilfsorganisationen tätig sein. Sie bauten Schulen und Krankenhäuser. Das Christentum fasste erst Fuß, als Nepalesen in den britischen und indischen Streitkräften Dienst taten, dabei Christen wurden und zu ihren Familien heimkehrten. 2006 wurde der Hinduismus als Staatsreligion offiziell abgeschafft, Ende 2007 die Monarchie de facto beendet und 2008 die Republik ausgerufen, die größere Religionsfreiheit versprach.