22.07.2015
Gaza: "Unsere Situation hat sich verschlechtert"
Katholischer Priester erzählt:
Vor knapp einem Jahr endete der Krieg zwischen Israel und der Hamas
Gaza (idea) – Im Gaza-Streifen hat sich die humanitäre Lage seit dem Ende des Krieges zwischen der radikal-islamischen Hamas und Israel im Sommer 2014 verschlechtert. Das berichtete Jorge Hernandez, Pfarrer an der Katholischen Kirche der Heiligen Familie in Gaza-Stadt, dem Catholic News Service (Katholischer Nachrichtendienst/Washington). Grund ist seiner Meinung nach vor allem die israelische Blockade, die sich nach der militärischen Auseinandersetzung verschärft habe. Bei der Operation Protective Edge (Schutzkante) der israelischen Streitkräfte waren vom 8. Juli bis 26. August 2014 nach UN-Angaben 2.250 Palästinenser ums Leben gekommen. Demnach waren 65 Prozent der Opfer Zivilisten.
Großer Zulauf für radikal-islamische Organisationen
Ein weiteres Problem ist laut Hernandez der starke Zulauf für radikal-islamische Organisationen wie der Hamas, dem „Islamischen Heiligen Krieg“ und dem „Islamischen Staat“. Dennoch gehöre die große Mehrheit der Einwohner Gazas keiner dieser Gruppen an. „Sie wollen einfach nur ein ganz normales Leben führen“, so Hernandez. Für Christen sei es schwerer denn je, Arbeit zu finden. Der einzige Weg dahin führe über einen muslimischen Freund als Vermittler. Viele Christen in Gaza seien deshalb arbeitslos und suchten Hilfe bei der Kirche.
Gute Kontakte zur Hamas
Nach Angaben von Hernandez kommt es immer wieder vor, dass Muslime Christen auf den Straßen der Millionenstadt belästigen. Deshalb sei es für die katholische Kirche in Gaza so wichtig, gute Kontakte zur dortigen Hamas-Regierung zu pflegen: „Wenn es ein Problem gibt, rufe ich einfach jemand in einer hohen Position an und sofort nehmen sie die entsprechende Person fest.“ Gehe er hingegen den amtlichen Weg und erstatte Anzeige bei der Polizei, passiere oft nichts. Von den fast zwei Millionen Einwohnern des Gaza-Streifens sind etwa 1.300 Christen. Die übrigen sind Muslime.