22.07.2015
Weltweit: Ferien unter verfolgten Christen?
In vielen Urlaubsländern ist die Religionsfreiheit eingeschränkt
Weltweit: Ferien unter verfolgten Christen?
In vielen Urlaubsländern ist die Religionsfreiheit eingeschränkt
Wetzlar (idea) – Urlaubszeit ist Reisezeit. Lediglich 37 Prozent der Deutschen verbringen nach Angaben der „Stiftung für Zukunftsfragen“ (Hamburg) die Ferien im Inland; die meisten zieht es in die Ferne. Kaum beachtet wird, dass in etlichen Ländern die Religionsfreiheit zumindest stark eingeschränkt ist. Besonders betroffen von Diskriminierung und Verfolgung sind Christen. Das zeigt eine Aufstellung der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Auf der Rangliste der beliebtesten Urlaubsziele im Ausland steht die Türkei nach Spanien und Italien an dritter Stelle; 6,7 Prozent der Reisenden wollen die schönsten Wochen des Jahres dort verbringen. Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind christliche und andere Minderheiten in der Türkei durch rechtliche und finanzielle Benachteiligungen erheblich eingeschränkt. Nicht-muslimische Geistliche könnten im Land keine Ausbildung erhalten. Da die Kirchen keinen gesicherten öffentlich-rechtlichen Status haben, fällt es ihnen schwer, etwa Baugenehmigungen zu bekommen. 95 Prozent der rund 75 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000; die meisten gehören traditionellen orthodoxen Kirchen an.
Ägypten: Nicht-Muslime werden diskriminiert
Zu den beliebten Reiseregionen der Deutschen zählt Nordafrika, besonders die Länder Ägypten, Tunesien und Marokko. Im Land am Nil leiden nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) vor allem die koptischen Christen sowie zum Christentum übergetretene Muslime, Anhänger der verbotenen Baha’i-Religion und Atheisten unter Diskriminierung. So diene das Gesetz gegen „Missachtung der Religion“ (Blasphemie-Gesetz) der Unterdrückung nicht-muslimischer Ägypter. Immer wieder kommt es auch zu Übergriffen radikaler Muslime auf die christliche Minderheit, obwohl sich ihre Lage nach dem Ende der Herrschaft der Muslimbrüder nach eigener Einschätzung verbessert hat. Von den 87 Millionen Ägyptern sind etwa zehn Prozent Christen.
IS-Anschläge auf Touristen in Tunesien
Tunesien geriet jüngst durch einen Anschlag der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in die Schlagzeilen. Am 26. Juni erschossen Kämpfer an einem Strand nördlich des Urlaubsortes Sousse 38 ausländische Touristen, darunter Deutsche und Briten. In Tunesien ist der Islam Staatsreligion; dazu bekennen sich rund 98 Prozent der elf Millionen Einwohner. Auch im bisher stabilen Marokko versucht IS, ein Standbein zu erhalten. Etwa 1.600 Marokkaner werden in Trainingslagern in Syrien ausgebildet. Unter den 35 Millionen Einwohnern des Landes gibt es nach Schätzungen etwa 8.000 Christen. Besonders ehemalige Muslime und Ausländer, die als humanitäre Helfer arbeiten, sind in der Vergangenheit Diskriminierungen ausgesetzt gewesen. Vor fünf Jahren wurden 128 ausländische Christen – etwa die Hälfte US-Amerikaner – wegen angeblicher Missionierung ausgewiesen.
Terrorismus in Kenia
In den ostafrikanischen Ländern Kenia und Tansania machen Deutsche gerne Bade- oder Safari-Urlaub. Im überwiegend christlichen Kenia – von den etwa 44 Millionen Einwohnern sind 83 Prozent Christen, acht Prozent Muslime und sieben Prozent Anhänger von Naturreligionen – verbreiten vor allem Terroristen der somalischen Miliz Al-Shabab (Die Jugend) mit gezielten Anschlägen auf Christen Angst und Schrecken. Ihr Ziel ist es, besonders den Norden Kenias, wo viele Menschen mit somalischen Wurzeln leben, von Nichtmuslimen zu „säubern“. Am 2. April hatte Al-Shabab an der Universität von Garissa gezielt Christen getötet. 148 Studenten – darunter 142 Christen – kamen ums Leben.
Säureanschläge auf Sansibar
Auch in Tansania können gemäßigte Muslime, Christen und Juden ihres Lebens nicht sicher sein. In zunehmendem Maße verüben Attentäter Anschläge, etwa auf der Ferieninsel Sansibar. Seit November 2012 wurden dort nach Angaben der BBC fünf Mal Nicht-Muslime mit Säure übergossen. Die „Vereinigung für islamische Mobilisierung und Propagierung“ Uamsho strebt für Sansibar einen eigenständigen islamischen Staat unter der Herrschaft des Religionsgesetzes Scharia an. Von den knapp 1,2 Millionen Einwohnern Sansibars sind 97 Prozent Muslime und der Rest Hindus, Christen oder Anhänger von Naturreligionen. Insgesamt hat Tansania 45 Millionen Einwohner. Davon sind 52 Prozent Christen, 32 Prozent Muslime und 14 Prozent Angehörige von Stammesreligionen. Den Rest bilden Hindus, Nicht-Religiöse und Anhänger der Baha’i-Religion.
Am Persischen Golf ist der Islam Staatsreligion
Immer mehr Deutsche suchen Erholung in den arabischen Staaten am Persischen Golf, etwa in Abu Dhabi oder Dubai, die zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören, oder auch im Emirat Katar. Dort ist der Islam Staatsreligion. Es gibt aber auch Kirchen für Ausländer, meist Gastarbeiter. Katar hat 2,2 Millionen Einwohner. Von den 5,6 Millionen Bewohnern der Vereinigten Arabischen Emirate sind 76 Prozent Muslime und neun Prozent Christen. 15 Prozent gehören anderen Religionen an.
Malediven: Keine Religionsfreiheit im „Urlaubsparadies“
Im „Urlaubsparadies“ der Malediven-Inseln im Indischen Ozean gibt es überhaupt keine Religionsfreiheit für Nicht-Muslime. Die öffentliche Ausübung der christlichen Religion ist verboten und wird strafrechtlich geahndet. Die wenigen Christen unter den 330.000 Inselbewohnern werden vom Staat systematisch verfolgt.
Indonesien: Übergriffe auf Christen sind alltäglich
In Indonesien mit der Urlaubsinsel Bali nimmt die Gewalt gegen Christen zu. So verüben muslimische Extremisten auf Sumatra immer mehr Übergriffe auf Kirchen, beklagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), im Februar nach einem Besuch der evangelischen Toba-Batak-Kirche (HKBP). Sie ist mit drei Millionen Mitgliedern die größte protestantische Kirche Südostasiens. Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (Düsseldorf) bezeichnete es als erschreckend, dass in Indonesien „an Orten, wo Christen eine Minderheit bilden, aggressive Übergriffe alltäglich sind“. Von den rund 240 Millionen Einwohnern Indonesiens sind 88 Prozent Muslime, acht Prozent Christen, zwei Prozent Hindus sowie jeweils ein Prozent Buddhisten und Angehörige von Stammesreligionen. Bali ist allerdings überwiegend hinduistisch. Von den 4,2 Millionen Einwohnern sind 92,4 Prozent Hindus, 5,6 Prozent Muslime, 1,4 Prozent Christen und 0,6 Prozent Buddhisten.
Sri Lanka: Buddhisten greifen Christen an
Auch in Sri Lanka haben Christen einen schweren Stand. In dem früheren Ceylon verüben Buddhisten nach Angaben der Evangelischen Allianz (Colombo) immer wieder Gewalttaten gegen Christen. Dazu gehören Zwangsschließung von Kirchen, Vandalismus, Brandstiftung sowie Bedrohung und Misshandlung von Gemeindemitarbeitern. Oft würden die Randalierer von buddhistischen Mönchen angeführt, die das Christentum als eine „ausländische und für Sri Lanka fremde Religion“ bezeichneten. Von den rund 22 Millionen Einwohnern sind etwa 70 Prozent Buddhisten, zwölf Prozent Hindus und zehn Prozent Muslime. Etwa 7,5 Prozent bekennen sich zum Christentum.
Kuba: Schwierigkeiten für Protestanten
Viele deutsche Urlauber suchen Erholung in der Karibik. Kuba wird voraussichtlich noch beliebter, da das kommunistisch regierte Land die Beziehungen zum Westen gelockert und wieder diplomatische Beziehungen zu den USA aufgenommen hat. Gleichwohl haben vor allem Protestanten auf Kuba große Probleme. Schwierigkeiten gibt es nach Angaben der IGFM etwa, wenn ihre Gemeinden eine staatliche Anerkennung oder Baugenehmigungen erhalten wollen. Die Organisation wünscht sich von der römisch-katholischen Kirche, dass sie „in christlicher Solidarität“ ihren Einfluss nutzt, um die Situation für Protestanten zu erleichtern. Verfolgt würden auch Anhänger der heidnischen Rastafari-Bewegung und die Zeugen Jehovas, weil sie sich weigern, Militärdienst zu leisten. Etwa 50 Prozent der 11,2 Millionen Einwohner Kubas sind Katholiken und acht Prozent Protestanten. Jeder vierte Bürger ist ohne Religionszugehörigkeit, und etwa 18 Prozent sind Spiritisten.