24.07.2015

Syrien: Aleppobewohner in großer Gefahr

Aleppo: In Kürze ein zweites Mossul?

Syrien: Aleppobewohner in großer Gefahr

Aleppo: In Kürze ein zweites Mossul?

(HMK/CH) „Wir befürchten, dass die Islamisten nächste Woche massiv vorrücken, bitte betet!“. Diese Nachricht erhalten wir soeben von unseren syrischen Projektpartnern in Aleppo. Diese Woche wird das Ende des Ramadans noch ausgiebig gefeiert. Und nächste Woche?

Die syrische Millionenstadt Aleppo ist eingekesselt: Vom Westen her nähert sich die Al-Nusra-Front (syrischer Al-Kaida-Ableger) und die FSA (Freie syrische Armee), im Osten befindet sich der IS. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Aleppo komplett in die Hände der Islamisten fällt. Das würde ein zweites Mossul bedeuten: Am 10. Juni 2014 eroberte der IS die irakische Millionenstadt Mossul und alle Nicht-Sunniten wurden vor die Wahl gestellt: Flucht, zwangsweiser Übertritt zum Islam, Bezahlung einer hohen Schutzsteuer oder der Tod.

Massenflucht dauert an

Die Massenflucht aus Aleppo in Richtung Küstengebiet Latakia dauert seit Wochen an. Noch ist der Fluchtkorridor offen – aber wie lange noch? Ende März 2015 waren noch ca. 85‘000 Christen in Aleppo, heute sind es weniger als die Hälfte. Vor dem Krieg lebten mehrere Hunderttausend Christen in Aleppo. Eine zweite „christenfreie“ Millionenstadt in der „Wiege der Christenheit“ scheint vorprogrammiert.

Unsere syrischen Partner bitten um eure Gebete. Betet, dass die Islamisten nicht weiter vorrücken und dass die Menschen inmitten aller Not Hilfe erhalten.

Die HMK versorgt in Syrien und im Irak im Auftrag der gemeinnützigen Stiftung Hoffnungsnetz regelmässig rund 40'000 Inlandflüchtlinge mit Hilfsgütern - auch in Aleppo. Mehr Informationen: www.verfolgt.ch / www.hoffnungsnetz.ch 

Die Naivität des Westens...

WARUM sieht der Westen den SNC (Syrian National Council) mit seinem bewaffneten Arm FSA (Freie Syrische Armee) als einzig legitimierte syrische und sogenannt „moderate“ Opposition an, kooperiert die FSA doch mit dem syrischen Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front und lässt den Christen keine Lebensgrundlage in ihrer Heimat?

WARUM unterstützt der Westen die „moderaten“ Islamisten im grossen Stil mit Luftschlägen und rüstet sie militärisch massiv auf, sind sie doch gerade jetzt daran, ganze christliche Quartiere in Aleppo vorsätzlich und bewusst dem Erdboden gleichzumachen?

WARUM lehnt der Westen hingegen die Unterstützung von christlichen und kurdischen Milizen kategorisch ab?

WARUM scheint es dem Westen egal zu sein, dass Aleppo kurz vor der Eroberung durch Islamisten steht und damit ein zweites Mossul und damit eine zweite „christenfreie“ Millionenstadt die unmittelbare Konsequenz ist?

WARUM wird in den Medien kaum über die Situation Aleppos berichtet? Die Massenflucht aus Aleppo in Richtung Küstengebiet Latakia dauert seit Wochen an. Ende März 2015 waren noch ca. 85‘000 Christen in Aleppo, heute sind es weniger als die Hälfte. Vor dem Krieg lebten mehrere Hunderttausend Christen in Aleppo.

WARUM erhöht die internationale Gemeinschaft nicht den Druck gegen die hinlänglich bekannten Terror-Unterstützer aus der Region und verhängt Sanktionen gegen sie?

WARUM toleriert der Westen, dass die Türkei ihre Grenze zum IS- und Al-Nusra-Gebiet bewusst offenhält, Dschihad-Touristen damit ungehindert nach Syrien einreisen können, Islamisten sich dadurch auf türkisches Staatsgebiet zurückziehen und organisieren können?

WARUM toleriert es der Westen, dass die Türkei an der Grenze zum kurdischen Gebiet einen drei Meter tiefen Graben ausgehoben hat und damit humanitäre Hilfslieferungen nach Syrien verunmöglicht und schutzlosen Flüchtlingen den Weg abschneidet, obwohl gerade in kurdischem Gebiet sehr viele Inlandflüchtlinge Zuflucht gefunden haben?

Und zu guter Letzt: WARUM nimmt der Westen was die Flüchtlingsströme aus Syrien/Irak angeht die reichen arabischen Golfstaaten nicht in die Pflicht? Sollten sie nicht auch eine Mitverantwortung übernehmen für die Linderung der Flüchtlingsnot? 80% der syrischen und irakischen Flüchtlinge sind Muslime und die Golfstaaten stehen ihnen sowohl kulturell, religiös, sprachlich als auch geografisch bedeutend näher als das christlich geprägte Europa. Der gefährliche Weg übers Mittelmeer würde den Flüchtlingen erspart bleiben.

Liebe Verantwortungsträger/innen, liebe Politiker/innen und Meinungsmacher/innen, wenn wir unsere Stimme jetzt nicht gegen dieses zum Himmel schreiende Elend erheben und unseren Einfluss geltend machen, paktieren wir mit dem Bösen. Wir appellieren an euren Einfluss und euer Engagement! 

 

Quelle: HMK Schweiz