28.07.2015

Pakistan: Tausende Frauen zum Islam zwangsbekehrt

Frauenrechtsorganisation: Mädchen werden entführt und zwangsverheiratet

Pakistan: Tausende Frauen zum Islam zwangsbekehrt

Frauenrechtsorganisation: Mädchen werden entführt und zwangsverheiratet

Islamabad (idea) – Die meisten Länder, in denen der Islam Staatsreligion ist, verbieten den Religionswechsel von Muslimen. Doch werden beispielsweise in der Islamischen Republik Pakistan jedes Jahr mehr als 1.000 christliche und hinduistische Mädchen gezwungen, den muslimischen Glauben anzunehmen. Dagegen protestiert die Aurat-Stiftung (Islamabad), eine pakistanische Nichtregierungsorganisation, die sich vor allem für Frauenrechte einsetzt. Die Zwangsbekehrungen seien weit verbreitet und würden von den Behörden sowie der Polizei kaum beachtet, teilte die Leiterin der Stiftung, Mahnaz Rehman, dem katholischen Informationsdienst Fides (Rom) mit. Die Mädchen und jungen Frauen würden verschleppt und dem Entführer oder einem anderen Mann zur Frau gegeben. Mit der Eheschließung gilt sie dem Religionsgesetz Scharia zufolge als Muslimin. Wenn eine Familie dagegen klage, müsse sie mit einer Gegenklage rechnen. Der Entführer behaupte in der Regel, dass das Mädchen aus freien Stücken in die Heirat eingewilligt habe. Die Betroffenen würden mit Drohungen unter Druck gesetzt. Bis ein Streitfall entschieden sei, blieben die Frauen bzw. Mädchen in der Gewalt der Entführer. Sie sagten ihnen, dass sie jetzt Muslime seien, und wenn sie die Religion wechselten, müssten sie mit der Todesstrafe rechnen.

Blasphemiegesetz bedroht Minderheiten

In Pakistan sind religiöse Minderheiten auch der Willkür durch das umstrittene Blasphemiegesetz ausgesetzt, das die Beleidigung des Islam und des Propheten Mohammed unter schwere Strafen stellt – bis zur Todesstrafe. Das seit 1991 bestehende Gesetz ist international in die Kritik geraten, weil es oft ohne ausreichenden Verdacht etwa gegen Christen angewandt wird. Zudem wird es häufig von Muslimen zum Austragen privater Streitigkeiten missbraucht. Mehr als 650 Christen sind wegen eines oft unbegründeten Verdachts angeklagt worden. Derzeit sitzen annähernd 40 Verurteilte lebenslang in Haft oder erwarten ihre Hinrichtung.

Asia Bibi: Oberstes Gericht lässt Berufung gegen Todesurteil zu

Der prominenteste Fall betrifft die Katholikin Asia Bibi. Die Mutter von fünf Kindern sitzt seit sechs Jahren in Haft und ist aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Doch aufgrund internationaler Proteste hob das Oberste Gericht am 22. Juli die Todesstrafe auf und ließ eine Berufung gegen das Urteil zu, das ein Berufungsgericht in Lahore im vorigen Oktober bestätigt hatte. Anlass für das Verfahren war eine vergleichsweise banale Begebenheit: Auf Anweisung eines Landbesitzers hatte die Tagelöhnerin Wasser für Feldarbeiterinnen geschöpft. Doch diese weigerten sich zu trinken, weil das Gefäß durch die Christin „unrein“ geworden sei. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.

Anmerkung der Red.: Siehe auch den Bericht vom 27.7.15