29.07.2015
Nigeria: Armee befreit Geiseln von Boko Haram
IGFM-Afrikareferent: In den Flüchtlingslagern herrscht Hoffnungslosigkeit
Nigeria: Armee befreit Geiseln von Boko Haram
IGFM-Afrikareferent: In den Flüchtlingslagern herrscht Hoffnungslosigkeit
Abuja (idea) – Die nigerianische Armee hat nach eigenen Angaben 30 Menschen aus der Gewalt der radikal-islamischen Terrororganisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) befreit. Die Geiseln seien bei der Rückeroberung der Stadt Dikwa am 24. Juli im nordöstlichen Bundesstaat Borno gerettet worden, so Armeesprecher Sani Usman. 22 von ihnen sind Kinder – darunter ein erst wenige Tage alter Säugling. Im April waren weite Teile des Bundesstaat Borno in die Hände von Boko Haram gefallen.
1,5 Millionen Binnenflüchtlinge
Nach Angaben des Afrika-Referenten der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (Frankfurt am Main), Emmanuel Ogbunwezeh, der erst vor kurzem die Konfliktregion besuchte, gibt es in Nigeria derzeit 1,5 Millionen Binnenflüchtlinge. Sie sind vor dem Terror Boko Harams geflohen. Entweder leben sie bei Verwandten im christlich geprägten Süden oder in Flüchtlingslagern im Norden. „Dort herrscht Hoffnungslosigkeit. Das Essen ist knapp; es fehlen Medikamente“, sagte Ogbunwezeh der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.
Im Nordosten herrscht Angst
Vor allem im Nordosten herrsche Angst: „Viele Menschen reden in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend über Boko Haram. Der Nachbar könnte mit der Organisation sympathisieren.“ Niemand wisse, wer zu Boko Haram gehöre, die meisten Mitglieder der Terrorgruppe wirkten im Untergrund. Seit der neue Präsident Muhammadu Buhari am 29. Mai sein Amt angetreten hat, habe es fast 1.000 weitere Tote bei Anschlägen gegeben. Ogbunwezeh warnt: „Wenn man keine Lösung für das Problem findet, werden wir in Europa irgendwann damit konfrontiert werden. Die jungen Männer, die keine Perspektive haben, bleiben nicht in den Flüchtlingslagern; sie ziehen weiter nach Europa.“