01.06.2015

Türkei: "Der türkische Präsident ist ein Populist"

Erdogan hatte zur Rückeroberung Jerusalems für den Islam aufgerufen

Türkei: "Der türkische Präsident ist ein Populist"

Erdogan hatte zur Rückeroberung Jerusalems für den Islam aufgerufen

Istanbul/Jerusalem (idea) – Der höchste Repräsentant der EKD im Heiligen Land, Propst Wolfgang Schmidt (Jerusalem), hat Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verurteilt, in denen er die Rückeroberung Jerusalems für den Islam gefordert hatte. Auf einer Kundgebung anlässlich des 562. Jahrestages der Eroberung Konstantinopels (dem heutigen Istanbul) durch die Osmanen hatte Erdogan am 30. Mai gesagt: „Eroberung heißt Mekka. Eroberung heißt Sultan Saladin, heißt, in Jerusalem wieder die Fahne des Islam wehen zu lassen.“ Am 29. Mai 1453 nahmen die Truppen des muslimischen Sultans Mehmed II. nach wochenlanger Belagerung die Hauptstadt des damaligen oströmischen Reiches ein und vertrieben den Großteil der dort lebenden Christen. Unter Sultan Saladin war es den Muslimen im Jahr 1099 gelungen, die christlichen Kreuzritter aus Jerusalem zu vertreiben. Heute ist Jerusalem die Hauptstadt des Staates Israel.

In der Türkei ist am 7. Juni Parlamentswahl

„Die jüngste Aussage von Staatspräsident Erdogan über Jerusalem zeichnet ihn einmal mehr als Populisten, dessen nationalistische Sicht polarisiert und ausgrenzt“, kritisierte Schmidt auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Anscheinend habe der türkische Präsident den Untergang des osmanischen Reiches mit seiner Herrschaft über Jerusalem noch nicht verkraftet, wenn er die Fahne des Islam über Jerusalem wehen sehen wolle. „Über Jerusalem als Kristallisationspunkt für Juden, Christen und Muslime sollten keine Fahnen wehen, die einen Alleinvertretungsanspruch dokumentieren. Es ist die Stadt zweier Völker und dreier Religionen. Wer diese Vielfalt bestreitet, leistet der Gewalt Vorschub“, so Schmidt. Am 7. Juni findet in der Türkei die Parlamentswahl statt. Die Partei von Präsident Erdogan muss letzten Umfragen zufolge um ihre absolute Mehrheit bangen.