05.06.2015
Kirchentag: Probleme zwischen Christen und Muslime
Theologe: Offenheit gegenüber anderen Religionen ist im Christentum angelegt
Kirchentag: Probleme zwischen Christen und Muslime
Theologe: Offenheit gegenüber anderen Religionen ist im Christentum angelegt
Stuttgart (idea) – Probleme im Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen in Deutschland sollten nicht religiös aufgeladen werden. Dazu hat der evangelische Theologe Prof. Reinhold Bernhardt (Basel) auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart aufgerufen. Er räumte ein, dass es Spannungen von Muslimen mit den Werten der liberalen westlichen Gesellschaft gebe. Doch dies seien Kulturkonflikte, die man lösen könne. Bewerte man sie dagegen als religiöse Konflikte, werde eine Lösung schwieriger, sagte er in einer Veranstaltung unter dem Motto „Wie Christen und Muslime zusammenleben – Eine Utopie aus theologischer Sicht“. Bernhardt plädierte für eine „dialogische Theologie“, die Muslimen ein Mitspracherecht zugestehe. „Das führt weder zu Vereinnahmungen noch zur Vermischung der Unterschiede.“
„Gott ist nicht der Stammesgott einer bestimmten Religionsgemeinschaft“
Bernhardt sieht im Christentum die Bereitschaft zu einer Offenheit gegenüber anderen Religionen angelegt. So gehöre es zur jüdischen und christlichen Grundüberzeugung, dass jeder Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen sei, auch wenn er sich dieser Beziehung verschließe. „Gott ist nicht der Stammesgott einer bestimmten Religionsgemeinschaft“, so Bernhard. Nach dem Johannes-Evangelium erleuchte das Licht Gottes alle Menschen. Dieses Licht sei in den Worten und Taten von Jesus Christus aufgestrahlt. Er selbst habe aber Andersglaubende zu Vorbildern erklärt, etwa den Barmherzigen Samariter. „Ethische und soziale Grenzen spielen bei Jesus keine Rolle, weil sie bei Gott keine Rolle spielen“, erklärte Bernhardt. Gott sei zudem durch die Kraft seines Geistes allgegenwärtig, der an Religionsgrenzen nicht haltmache.
Muslima: Sich gemeinsam für eine gerechtere Welt einsetzen
Die Islamwissenschaftlerin und Muslima Riva’at Lenzin (Zürich) sieht Christen und Muslime in der gemeinsamen Verantwortung, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen: „Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Gentechnik, Präimplantationsdiagnostik, Flüchtlinge gehen uns alle an.“ Es sei sinnvoll, sich gemeinsam zu engagieren, weil die Gesellschaft religiös begründeten Argumenten verständnislos und abweisend gegenüberstehe. Weil zu Beginn der Veranstaltung in der vollbesetzten Stiftskirche beide Redner aus akustischen Gründen kaum zu verstehen waren, sprachen sie von der Kanzel.