08.06.2015

Türkei: Baptisten freuen sich über Wahlausgang

Die Partei von Präsident Erdogan verliert ihre absolute Mehrheit

Türkei: Baptisten freuen sich über Wahlausgang

Die Partei von Präsident Erdogan verliert ihre absolute Mehrheit

Izmir/Ankara (idea) – Der Präsident des türkischen Baptistenbundes, Ertan Cevik (Izmir), hat sich erfreut über den Ausgang der Parlamentswahl in der Türkei am 7. Juni gezeigt. Die AKP, die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, verlor ihre absolute Mehrheit. Zwar blieb sie mit 41 Prozent stärkste Kraft. Im Vergleich zu den Wahlen von 2011 ist das aber ein Minus von etwa neun Prozent. Zweitstärkste Kraft wurde die einst von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) ins Leben gerufene, sozialdemokratische CHP mit 25 Prozent. Die nationalistische MHP errang 16,5 Prozent der Stimmen, die Kurdenpartei HDP erhielt 13 Prozent.


„Stärkung der Demokratie“

Besonders das gute Abschneiden der HDP, die erstmals die Zehnprozenthürde übersprang und somit ins Parlament einzog, sei eine Stärkung der Demokratie, sagte Cevik auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Erdogan wollte mehr Macht für den Präsidenten. Das hat die Bevölkerung verhindert.“ Cevik lobte, dass bis auf die Nationalisten der MHP alle Parteien, die im neuen Parlament vertreten sein werden, mit den Christen in seiner Gemeinde in Izmir das Gespräch suchten und dort für ihre Positionen warben.

Vier Christen im Parlament

Unter den neuen Abgeordneten sind vier Christen: der Journalist Markar Esayan für die AKP, Selina Doğan für die CHP sowie Garo Paylan und Erol Dora für die HDP. Für diese Partei zogen auch zwei Jesiden ins Parlament ein. Diese religiöse Minderheit leidet im Irak unter Verfolgung durch die Terrororganisation „Islamischer Staat” (IS). Mit einer Zweidrittelmehrheit wollte die AKP die Türkei in eine Präsidialdemokratie verwandeln. Erdogan hätte dadurch mehr Entscheidungsbefugnisse gehabt als bisher. Nun muss seine Partei einen Koalitionspartner finden. Die drei in Frage kommenden Parteien haben aber ausgeschlossen, einer entsprechenden Verfassungsänderung zuzustimmen.