12.06.2015

Sudan: Inhaftierte Pastoren von ihren Anwälten isoliert

Die Südsudanesen wurden in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt

Sudan: Inhaftierte Pastoren von ihren Anwälten isoliert

Die Südsudanesen wurden in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt

Khartum (idea) – Zwei evangelischen Pfarrern, denen im Sudan die Todesstrafe droht, wird der Zugang zu ihren Anwälten verwehrt. Auch können Familienangehörige die südsudanesischen Pastoren Yat Michael und Peter Yein Reith nicht mehr besuchen. Sie sind unter anderem wegen Störung des öffentlichen Friedens, Verunglimpfung religiöser Überzeugungen sowie Untergraben der Verfassung und Kriegsführung gegen den radikal-islamisch regierten Staat Sudan angeklagt. Doch in Wahrheit wird ihnen nach Ansicht christlicher Menschenrechtler die Evangelisierung von Muslimen zur Last gelegt. Der Prozess in der Hauptstadt Khartum wurde am 14. Mai vertagt, weil das Gericht noch Vertreter des sudanesischen Geheimdienstes NISS anhören will. Zuletzt gesehen wurden Michael und Reith am 3. Juni, als sie im Omduran-Gefängnis Besuch von drei befreundeten Geistlichen und dem US-Amerikaner William Devlin (New York) erhielten. Der 61-jährige Pastor wurde jedoch vorübergehend festgenommen und verhört, weil er fotografiert haben soll. Danach wurden die Angeklagten in ein Hochsicherheitsgefängnis im Norden Khartums verlegt; das bestätigten die Behörden am 6. Juni. Dort haben die Pastoren der (reformierten) Presbyterianischen Kirche im Südsudan keine Möglichkeit, ihre Familienangehörigen zu sehen oder mit ihren Anwälten zu sprechen.

Ehemalige „Gefangene des Monats“

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hatten die beiden Geistlichen im April als „Gefangene des Monats“ benannt und aufgerufen, für sie einzutreten und zu beten. Michael hatte im Dezember Khartum besucht, um medizinische Hilfe für seinen Sohn zu erhalten. Nachdem er bei dieser Gelegenheit in einer presbyterianischen Kirche gepredigt hatte, nahmen ihn Geheimdienstmitarbeiter ohne Begründung mit. Sein Kollege Reith stellte daraufhin Nachforschungen in Khartum an. Als er am 11. Januar einen Brief im Büro für religiöse Angelegenheiten abgab, wurde er verhaftet.

Todesstrafe für Abkehr vom Islam

Seit der Unabhängigkeit des eher christlich geprägten Südsudan im Juli 2011 treibt der (nördliche) Sudan die Islamisierung voran. Seither hat sich die Lage der etwa 500.000 Christen im Land deutlich verschlechtert. Auf die Abkehr vom Islam steht die Todesstrafe. Im vergangenen Jahr ordneten Behörden die Schließung und den Abriss von Kirchen an. Trotzdem wachse das Interesse am christlichen Glauben, so die IGFM. Von den 38 Millionen Einwohnern des Sudan sind 97 Prozent Muslime. Gegen Staatspräsident Omar Hassan al-Bashir hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) Haftbefehl wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen.