18.06.2015

Libyen: IS bedroht Christen mit dem Tod

Menschenrechtler sorgen sich um eritreische Flüchtlinge in Libyen

Libyen: IS bedroht Christen mit dem Tod

Menschenrechtler sorgen sich um eritreische Flüchtlinge in Libyen

Göttingen (idea) – In Libyen müssen christliche Flüchtlinge um ihr Leben fürchten. Sie geraten ins Visier der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Darauf weist die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hin. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Göttingen ist insbesondere in großer Sorge um 86 eritreische Christen, die Anfang Juni in der Nähe von Tripolis verschleppt wurden. Sie schwebten in akuter Lebensgefahr, denn IS habe in diesem Jahr bereits mehrere Dutzend entführte Christen kaltblütig ermordet, erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am 17. Juni. Als politisch Verfolgte, für die es in Eritrea weder Religions- noch Meinungsfreiheit gebe, seien sie besonders schutzlos. Die GfbV appellierte an den UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, die Bemühungen um die Aufklärung des Schicksals der Verschleppten zu verstärken.

Ägypter und Äthiopier erschossen

Die 74 Männer sowie zwölf Frauen und Kinder waren am 3. Juni von mutmaßlichen IS-Anhängern entführt worden. Die Terroristen teilten die Verschleppten nach Religionszugehörigkeit in unterschiedliche Gruppen ein, berichten drei Eritreer, denen die Flucht gelungen ist. Wer behauptete, Muslim zu sein, musste Fragen zum Koran beantworten. Sechs Muslime bestanden diese Prüfung und wurden von den Entführern freigelassen. Nach Angaben der GfbV machen Terroristen in Libyen gezielt Jagd auf Christen, um ägyptische Luftangriffe auf IS-Stellungen zu rächen. Eritreer und Äthiopier seien in besonders großer Gefahr, da sie zum Großteil Christen seien und sich in ihrer äußeren Erscheinung von der arabischen Mehrheitsbevölkerung unterscheiden. Die meisten ägyptischen Christen, die bislang in Libyen arbeiteten, haben das Land nach der jüngsten Welle der Gewalt gegen Christen verlassen. Im Februar wurden 21 Kopten, die im Dezember entführt worden waren, an einem Strand standrechtlich erschossen. Die IS-Kämpfer verbreiteten ein Video von der Bluttat im Internet. Im April wurden 30 äthiopische Christen von IS-Kämpfern enthauptet. Auch diese Gewalttat wurde in einem Propagandavideo bekannt gemacht.

Eritrea: Christen wegen ihres Glaubens in Haft

Eritreer stellen einen großen Anteil der afrikanischen Flüchtlinge, die versuchen, Europa über das Mittelmeer zu erreichen. Ihr Heimatland im Nordosten Afrikas steht seit 1993 unter der Herrschaft des neomarxistischen Staatschefs Isayas Afewerki. Er geht vor allem gegen missionarisch aktive Christen vor, die als staatszersetzend angesehen werden. Seit 2002 sind nur die eritreisch-orthodoxe, die katholische und die lutherische Kirche sowie der Islam anerkannt. Angehörige anderer Religionsgemeinschaften leben ständig in Gefahr, verhaftet zu werden. Von den rund fünf Millionen Einwohnern Eritreas sind 50 Prozent Muslime und 47 Prozent Christen. 1,9 Prozent sind Nicht-Religiöse und der Rest Anhänger von Naturreligionen.