19.06.2015

Deutschland: Kritik an Ramadan-Grußworten

Muslimische Verbände sollten sich gegen Christenverfolgungen engagieren

Deutschland: Kritik an Ramadan-Grußworten

Muslimische Verbände sollten sich gegen Christenverfolgungen engagieren

Schorndorf/Frankfurt am Main/Bad Blankenburg (idea) – Die Grußworte evangelischer Kirchenleiter zum islamischen Fastenmonat Ramadan sind bei evangelikalen Islam-Fachleuten und Menschenrechtlern auf Kritik gestoßen. Mehrere Bischöfe, darunter der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (München), und der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Gerhard Ulrich (Schwerin), hatten die gemeinsame Verantwortung von Christen und Muslimen für die deutsche Gesellschaft betont. Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten, aber auch Entwicklungen innerhalb Deutschlands und Europas führten jedoch immer wieder zu Belastungen, schrieb Bedford-Strohm. Er erwähnte den Terror des „Islamischen Staates“ sowie die Anschläge in Frankreich und Kopenhagen. Sorge bereiteten aber auch fremden- und islamfeindliche Tendenzen in Deutschland. Ulrich zufolge sind Christen und Muslime herausgefordert, das Friedenspotenzial ihrer Religionen zu betonen und aktiv zu gestalten. Fundamentalistische Exzesse im Mittleren Osten, aber auch in afrikanischen und asiatischen Ländern hätten dazu geführt, „dass die Friedensfähigkeit der Religionen – in der medialen Öffentlichkeit besonders des Islam – hinterfragt wird“. Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) bedauerte, dass starke Kräfte den Krieg zwischen Muslimen und Christen vorantrieben: „Wir erleben das Vordringen terroristischer Gruppen in bürgerkriegsgeschüttelten Ländern des Nahen Ostens und brutale Anschläge mitten in Europa. Ich begrüße, dass die Zentren für Islamische Theologie in Deutschland und die großen Moscheeverbände rasch die notwendigen Worte zur Verurteilung von terroristischen Taten gefunden und veröffentlicht haben.“ Der badische Landesbischof, Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe), äußert in seinem Grußwort „großen Respekt“ für den Ramadan. Fasten gelte als Zeit besonderer geistig-geistlicher Konzentration und intensiver Wahrnehmung der Nöte von Mitmenschen. Im Engagement für Flüchtlinge setzten Christen und Muslime ein Zeichen gegen islamfeindliche, antisemitische und fremdenfeindliche Bewegungen.

Der Ramadan erinnert an den „Heiligen Krieg“

Kritiker vermissen in den Grußworten die Bitte an die muslimischen Verbände in Deutschland, sich bei den Regierungen islamisch geprägter Länder für verfolgte Christen einzusetzen. Wie der Missionsleiter der Evangelischen Karmelmission, Martin Landmesser (Schorndorf bei Stuttgart), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, wird im Ramadan traditionell an den „Heiligen Krieg“ gedacht, in dem Muslime die wichtigsten Siege über die Feinde Allahs errangen. In den letzten Jahren sei der Fastenmonat zu einer blutigen Zeit für Christen in der islamischen Welt geworden. Außerdem werde daran erinnert, dass der Prophet Mohammed (570-632) im Ramadan die Offenbarung des Korans empfangen habe. Der Lehre des Islam zufolge löse er die Evangelien und die Thora als letztgültige Wahrheit ab. Die 1904 gegründete Karmelmission ist einer der weltweit größten auf den Islam spezialisierten Verlage für evangelistische Literatur. Sie unterhält Regionalbüros in 20 Ländern mit mehr als 200 Mitarbeitern.

Muslimische Gemeinden sollen über Verfolgung informieren

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main appelliert an die Muslime in Deutschland, die Gelegenheit des Ramadan zu nutzen, um muslimische Gemeinschaften in Verfolgerstaaten wie Pakistan, Saudi-Arabien oder dem Iran zu Toleranz gegenüber anderen Religionsgemeinschaften aufzurufen. Der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin, forderte die muslimischen Verbände in Deutschland auf, in ihren Gemeinden über die Situation in islamischen Staaten zu informieren. Christen und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften sollten auf Muslime zugehen, für Toleranz und Friedfertigkeit werben und sie gemeinsam mit Muslimen praktizieren.

„Brutalitäten im Namen des Islam“

Die Deutsche Evangelische Allianz (Bad Blankenburg/Thüringer Wald) lädt zur Aktion „30 Tage Gebet für die islamische Welt“ ein. Ein Informationsheft weist darauf hin, dass viele Muslime vor Gewalt, Krieg, und Terror fliehen und in Europa auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder hoffen. Christen sollten sich „in liebevoller Weise um Flüchtlinge kümmern und dabei ein Zeugnis für Jesus sein“. Trotz der „fast täglich bekannt werdenden Brutalitäten im Namen des Islam“ wäre es falsch, sich furchtsam von Muslimen abzuwenden, so der evangelikale Dachverband.

Anmerkung in eigener Sache: Sie können gern noch kostenlos Hefte zur Information und als Gebetsgrundlage bei der Deutschen Evangelischen Allianz bestellen oder selber herunterladen. Gehen Sie bitte auf diese Seite:

http://www.ead.de/materialien/materialien/arbeitskreis-gebet/30-tage-gebet-fuer-die-islamische-welt.html