02.05.2015
Deutschland: Gedenken an den wohl größten Massenselbstmord
Vorpommern: In Demmin nahmen sich bei Kriegsende über 1.000 Bürger das Leben
Deutschland: Gedenken an den wohl größten Massenselbstmord
Vorpommern: In Demmin nahmen sich bei Kriegsende über 1.000 Bürger das Leben
Demmin (idea) – An das Kriegsende vor 70 Jahren und den damit verbundenen vermutlich größten Massenselbstmord der deutschen Geschichte haben die beiden großen Kirchen am 30. April im vorpommerschen Demmin erinnert. In der katholischen Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin feierten sie eine ökumenische Andacht, die der Bischof des Sprengels Greifswald, Hans-Jürgen Abromeit, und der katholische Propst Frank Hofmann (Greifswald) gestalteten. Beim Einmarsch der Roten Armee 1945 hatten sich mehr als 1.000 der damals 15.000 Bewohner der Stadt aus Furcht vor Übergriffen und Vergewaltigungen das Leben genommen. Zu DDR-Zeiten durfte darüber nicht gesprochen werden. Bis heute sei das Leid der Demminer in Deutschland kaum bekannt, sagte Abromeit in seiner Predigt. Dabei sei es wichtig wahrzunehmen, „welch großes Elend hier in Demmin geschah“. Das unendliche Leid sei kaum auszuhalten, doch zu verstummen sei schlimmer als laut zu klagen: „Wir müssen den Menschen ihre Namen und ihre Geschichte zurückgeben. Das Schweigen muss ein Ende haben.“ Zugleich erinnerten die Ereignisse von damals an „die zerstörerische Gewalt des Größenwahns und der Gottlosigkeit“, die das nationalsozialistische Regime hervorgebracht habe: „Am Ende richtete sich diese Gewalt gegen das eigene Volk und richtete es zu Grunde.“ Im Anschluss an die Andacht legten Besucher und Kirchenvertreter Kränze an der Steinsäule nieder, die auf dem Demminer Friedhof an die Selbsttötungen erinnert.