03.05.2015
China: Kirchenabrisse und Kreuzabnahmen gestoppt?
[ZGB] Seit Anfang letzten Jahres sind in der Provinz Zhejiang insgesamt rund 400 Kirchengebäude durch die staatlichen Behörden attackiert worden. Etliche Kirchen wurden total abgerissen, weil sie angeblich entgegen der Bauvorschriften erstellt worden seien und bei den anderen wurden die Kreuze auf oder an den Gebäuden abgenommen oder mussten verkleinert werden. Alle diese Aktionen gingen zurück auf eine Anordnung des Parteisekretärs XIA Baolong der Provinzregierung von Zhejiang. Es war aber bislang unklar, ob diese Maßnahmen im Hintergrund von den Behörden in Peking ausgelöst wurden und nur auf die Provinz Zhejiang beschränkt bleiben oder schließlich auf das ganze Land ausgedehnt werden könnten.
Diese rigiden Übergriffe der Behörden führten jedoch auch zu vielfältigen und vehementen Protesten aus dem Ausland und gegen Ende des letzten Jahres ließ die Anzahl solcher Vorfälle auch deutlich nach. Im März ist nun durchgesickert, die Pekinger Behörden hätten eine Anordnung herausgegeben mit der Maßgabe, diese Aktionen restlos einzustellen.
Natürlich fragt man sich jetzt erst recht, was denn durch all diese Attacken hätte erreicht werden sollen. Auch wenn diese Frage wohl nie beantwortet werden wird, so sind die Auswirkungen doch deutlich zutage getreten:
Die offiziellen Kirchen und die Hauskirchen stehen einander nun viel näher, weil sie unterschiedslos von den Maßnahmen betroffen wurden. Die wahren Gegner der Gemeinde sind nicht die Leute, die eine andere Auffassung bezüglich offizieller Kirche / Hausgemeinden haben, sondern die Bedrohung kommt von außerhalb der Glaubensgemeinschaften. Die „Boss-Christen“ von Wenzhou, also die vermögenden Unternehmer, die hinter vielen großartigen Kirchenbauten standen, denken nun viel stärker darüber nach, dass der wahre Auftrag einer Gemeinde und irgendwelches Prestigedenken nicht miteinander verquickt werden dürfen.
Pastor verurteilt wegen Widerstand gegen Kreuzabriss
[ZGB] In Pingyang in der Zhejiang Provinz hat ein Gericht am 24. März den Pastor Huang Yizi zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, weil er eine Gruppe von Gemeindeglieder organisiert hatte, um zu verhindern, dass die Behörden das Kreuz der Kirche abnehmen konnten. Wie in China üblich, wurde diese Aktion als eine „Störung der öffentlichen Ordnung“ angesehen und dementsprechend bestraft.
8 Christen aus der Haft entlassen
[ZGB] 8 Gemeindeglieder, die sich im letzten Sommer an einer Protestaktion gegen den Abriss der Sanjiang-Kirche in Wenzhou beteiligt hatten, sind deswegen verhaftet worden. Ihrem Widerspruch vor Gericht wurde nun stattgegeben und Ende März die Entlassung aus der Haft angeordnet.
Einkommensunterschied nimmt ständig weiter zu
[RTE] Nach Aussagen des International Monetary Fund nehmen die Einkommensunterschiede in China weiter drastisch zu. Das obere Fünftel der Bürger erhält nun schon nahezu die Hälfte des Gesamteinkommens, während das untere Fünftel der Bevölkerung über weniger als 5% des Gesamteinkommens verfügt. Diese Verhältnisse haben sich eingestellt trotz der Tatsache, dass sich der Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze von weniger als 1,25 USD/Tag leben muss, sehr deutlich verringert hat. Es gibt in China inzwischen auch mehr als 2,4 Millionen Millionärshaushalte.
Quelle: China – Informationen 2015 - 03