04.05.2015
Nigeria: Besiegt Nigerias Armee „Boko Haram“?
Offensive: 700 Geiseln befreit – Die Terroristen steinigen Frauen
Nigeria: Besiegt Nigerias Armee „Boko Haram“?
Offensive: 700 Geiseln befreit – Die Terroristen steinigen Frauen
Abuja (idea) – Nigerias Armee hat durch ihre Großoffensive im Nordosten des westafrikanischen Staates rund 700 Geiseln aus den Händen der radikal-islamischen Terrororganisation Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) befreit. Die meisten sind Frauen und Mädchen. Doch immer noch halten die Extremisten etliche Hochburgen. Insgesamt haben sie seit Anfang 2014 etwa 2.000 weibliche Geiseln verschleppt, darunter 276 überwiegend christliche Schülerinnen aus einem Internat in Chibok (Bundesstaat Borno) Mitte April vergangenen Jahres. 57 konnten entkommen, von den übrigen fehlt jede Spur. Ob sie sich unter den Befreiten befinden, ist unklar. Nach Angaben der ehemaligen Geiseln wurden die Frauen sexuell missbraucht, zwangsverheiratet oder zu Kampfeinsätzen gezwungen. Viele starben auch an Hunger oder Erschöpfung. Kurz vor der Befreiung seien mindestens zehn Frauen gesteinigt worden. Sie hatten sich geweigert, mit den Boko-Haram-Kämpfern vor den anrückenden Soldaten zu fliehen.
Schwangere sollte verheiratet werden
Von ihrem Schicksal berichtete unter anderen die 27-jährige Lami Musa, die sich fünf Monate lang in der Gewalt von Boko Haram befand. Als ihr Dorf Lassa überfallen worden sei, hätten die Islamisten ihren Mann getötet und sie selbst verschleppt. Sie musste ihre drei Kinder zurücklassen; bis heute weiß sie nicht, was mit ihnen geschehen ist. Musa hätte einen Kommandeur der Terroristen heiraten sollen, doch weil sie schwanger war, habe man die Zwangshochzeit auf die Woche nach der Geburt verschoben. Ende April gebar Musa ihre Tochter. Als die Armee anrückte, hätten die Terroristen mit ihren Geiseln fliehen wollen. Frauen, die sich widersetzten, hätten sie mit Steinen beworfen. Sie habe ihr Neugeborenes zum Schutz an ihren Bauch gedrückt.
Massengräber entdeckt
Unterdessen wurden in dem Ort Damasak (Borno), der monatelang von Boko Haram besetzt war, etwa 20 Massengräber entdeckt. Der katholische Erzbischof von Maiduguri (Borno), Oliver Dashe Doeme, hofft, dass die Militäroffensive „der Anfang vom Ende“ von Boko Haram ist. Die Extremisten seien aber weiter aktiv, weil die Streitkräfte nicht alle Hochburgen erobern konnten, teilte Doeme dem Hilfswerk „Kirche in Not“ (München) mit. Boko Haram ist mit der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) verbündet und kämpft im Nordosten Nigerias sowie Nachbarregionen für einen islamischen „Gottesstaat“. Schätzungen zufolge haben die Extremisten seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Von den 173 Millionen Einwohnern Nigerias sind etwa 50 Prozent Muslime und 48 Prozent Kirchenmitglieder. Die übrigen sind Anhänger von Naturreligionen. Die Christen leben meist im Süden und die Muslime im Norden.