06.05.2015
Israel: Äthiopische Juden protestieren gegen Polizeigewalt
68 Verletzte und dutzende Festnahmen nach Ausschreitungen in Tel Aviv
Israel: Äthiopische Juden protestieren gegen Polizeigewalt
68 Verletzte und dutzende Festnahmen nach Ausschreitungen in Tel Aviv
Tel Aviv/ Jerusalem (idea) – Gewaltsame Ausschreitungen äthiopischer Juden haben am 3. Mai die israelische Hafenstadt Tel Aviv erschüttert. Tausende Angehörige der über 125.000 Menschen umfassenden Minderheit zogen auf die Straßen der Mittelmeermetropole, um gegen Polizeiwillkür und Diskriminierung zu protestieren. Als gewaltbereite Demonstranten versuchten, das Gebäude der Stadtverwaltung zu stürmen, wurden 56 Polizisten und zwölf Protestierende verletzt. Dutzende Randalierer wurden festgenommen. Bereits am 30. April hatten rund 200 äthiopischstämmige Israelis in der Hauptstadt Jerusalem vor dem nationalen Polizeihauptquartier demonstriert.
Polizisten schlugen äthiopischstämmigen Soldaten
Die Proteste entzündeten sich an einem Vorfall, der sich am 26. April in der Stadt Holon ereignet hatte. Zwei Polizisten misshandelten dort einen äthiopischstämmigen Soldaten, der eine Straßensperre passieren wollte. Beide Polizisten wurden mittlerweile vom Dienst suspendiert; die israelische Polizei entschuldigte sich für den Vorfall. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu empfing den betroffenen Soldaten einen Tag nach den Unruhen. Auf Twitter schrieb er über die Tat, die auf einem Überwachungsvideo festgehalten worden war: „Ich war schockiert über die Bilder. Wir können so etwas nicht akzeptieren. Wir werden einige Dinge ändern.“ Äthiopische Juden durften seit ihrer Anerkennung als Juden durch das israelische Oberrabbinat 1973 offiziell in den jüdischen Staat einwandern. Allein in zwei großen Rückholaktionen, der Operation Moses 1984 und der noch umfangreicheren Operation Salomo 1991, wanderten über 22.000 sogenannte Falaschas nach Israel ein. Sie fühlen sich von der israelischen Mehrheitsgesellschaft diskriminiert und geben an, überproportional oft unter Benachteiligung bei der Arbeitsplatzsuche und ungerechtfertigter Polizeigewalt zu leiden.
Sonderfall Falaschmura
Bei etwa einem Drittel der 125.000 Menschen zählenden äthiopischen Juden handelt es sich um Falaschmura, die sich im 19. und 20. Jahrhundert zum Christentum bekehrt hatten. Angehörige dieser Minderheit wurden bei den Operationen Moses und Salomo in Äthiopien von der israelischen Armee häufig zurückgelassen, weil ihnen die israelische Regierung die Anerkennung als Juden verweigerte. Nach einer Gesetzesänderung startete Israel im Jahr 2003 eine gesonderte Rückholaktion für die Falaschmura, die die Staatsbürgerschaft unter der Bedingung erhielten, dass sie sich zum jüdischen Glauben bekennen. In Israel leben derzeit rund 8,3 Millionen Menschen. Etwa 75 Prozent sind Juden, 21 Prozent Muslime, und zwei Prozent Christen.