15.05.2015

EU: Opfer von Menschenrechtsverletzungen nicht vergessen

UN-Sonderberichterstatter: Kirchen sollen sich für Religionsfreiheit einsetzen

EU: Opfer von Menschenrechtsverletzungen nicht vergessen

UN-Sonderberichterstatter: Kirchen sollen sich für Religionsfreiheit einsetzen

Kassel (idea) – Die größte Not der Opfer von Menschenrechtsverletzungen ist es, vergessen zu werden. Diese Ansicht vertrat der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Prof. Heiner Bielefeldt (Erlangen), auf der Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), die vom 13. bis 16. Mai in Kassel stattfindet. Er verwies unter anderem auf Menschenrechtsverletzungen im Nahen Osten durch islamistische Terrororganisationen. Aber auch in anderen Ländern, etwa in Vietnam oder Kasachstan, komme es zu Verstößen. Deshalb müsse man immer wieder öffentlich an die Schicksale der Betroffenen erinnern. Für Kirchen könne dies auch bedeuten, für diese Menschen zu beten, sagte Bielefeldt, der Lehrstuhlinhaber für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg ist. Er unterstrich die Bedeutung der Religionsfreiheit: „Ohne Religionsfreiheit haben Menschenrechte keinen Sinn.“ Bielefeldt appellierte an die Kirchen, sich strategisch um dieses Thema zu kümmern. Dazu gehöre es, die Strukturen der Europäischen Union zu nutzen. Sie habe sich vor zwei Jahren in Leitlinien verpflichtet, in ihren Außenbeziehungen für Religionsfreiheit einzutreten. Jede Botschaft eines EU-Landes sei daher verpflichtet, über mögliche Verstöße gegen die Religionsfreiheit zu berichten, wenn sie dazu aufgefordert werde. Bielefeldt: „Religiöse Minderheiten können so große Aufmerksamkeit bekommen.“ Ferner ermunterte er die Kirchen, sich in Deutschland für eine größere Wertschätzung für Religionsfreiheit einzusetzen. Dabei müssten sie auch das Gespräch mit Atheisten suchen. Denn die Religionskritik in Deutschland habe häufig eine „ätzende Tonlage“ angenommen. Zu einem säkularen Staat gehöre zwingend Religionsfreiheit.

In Deutschland werden jährlich rund 2.000 Muslime Christen

Für vertrauensbildende Gespräche zwischen Christen und Muslimen plädierte der SPD-Stadtrat Carlo Riva (Worms). Dabei werde man entdecken, dass die Muslime in Deutschland nicht pauschal über einen Kamm zu scheren seien, sagte der zu einer Freien evangelischen Gemeinde gehörende Kommunalpolitiker, der aus Italien stammt. Zwar sei der Islam mit 3,3 Millionen Anhängern in Deutschland die drittgrößte Religionsgemeinschaft. Doch 55 Prozent der 2,5 Millionen Türken praktizierten ihren Glauben nicht. Wie Riva weiter sagte, halten viele Muslime hierzulande den Glauben der Christen für attraktiver als den Islam. Die Folge sei, dass in Deutschland jährlich etwa 2.000 Muslime Christen würden. Riva bedauerte, dass manche der Konvertiten anschließend Probleme mit Verwandten und anderen Muslimen bekämen. Er habe wiederholt in solchen Fällen das Gespräch mit islamischen Geistlichen gesucht und so erreicht, dass diese Übergriffe beendet wurden. Dazu seien aber gute Beziehungen nötig. Die Delegierten der Tagung befassten sich unter dem Motto „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im Anderen“ vor allem mit der Frage, wie sie ihre Gemeinden für Asylbewerber und andere Menschen mit Migrationshintergrund öffnen können. Dabei wurde deutlich, dass viele der rund 800 Gemeinden Asylsuchenden helfen.