15.05.2015
Jemen: Kirche bei Bombenangriff zerstört
Nur im Süden des Landes dürfen Christen in die Kirche gehen
Aden (idea) – Im Jemen ist eine der wenigen Kirchen des streng islamischen Landes zerstört worden. Die katholische „Kirche der Unbefleckten Empfängnis“ in Aden (Südjemen) wurde bei einem Luftangriff in der Nacht des 11. Mai von Bomben getroffen. Auch die benachbarte Priesterwohnung wurde zerstört, berichtet der Informationsdienst Middle East Concern (Anliegen Mittelost). Der Angriff wurde wahrscheinlich von der von Saudi-Arabien angeführten Militär-Allianz geflogen. Sie bekämpft die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen. Die meisten der 25,4 Millionen Einwohner des Landes sind Muslime; davon sind mindestens 30 Prozent Schiiten und die übrigen Sunniten. Die Zahl der meist ausländischen Christen wird von Religionsstatistikern auf knapp 20.000 geschätzt. Sie versammeln sich vor allem in Privaträumen. Im Jemen gibt es nur wenige Kirchen, die offiziell Gottesdienste feiern dürfen. Diese befinden sich alle in Aden, der früheren Hauptstadt des ehemals kommunistisch regierten Südjemens. 1990 vereinten sich die beiden Staaten des geteilten Landes. Der Islam ist Staatsreligion; Missionierung unter Muslimen ist verboten.
Christliche Entwicklungshelfer entführt
Im Jemen sind in der Vergangenheit öfter christliche Entwicklungshelfer entführt oder getötet worden. So wurde die sächsische Familie Hentschel im Jahr 2009 mit vier weiteren Christen in der nordjemenitischen Provinz Saada verschleppt, wo die Hentschels an einem staatlichen Krankenhaus arbeiteten. Drei der Entführten – zwei deutsche Krankenschwestern und eine südkoreanische Lehrerin – wurden erschossen aufgefunden. 2010 konnten die Töchter Lydia (10) und Anna (8) von Johannes und Sabine Hentschel in die Heimat zurückkehren, die Eltern und ihr Sohn Simon blieben aber verschollen. Im vorigen Jahr informierte das Auswärtige Amt die Angehörigen, dass die Vermissten tot sind. Im Jahr 2012 wurde der US-amerikanische Christ Joel Shrum in Tais auf offener Straße erschossen. Islamische Terroristen bekannten sich zu dem Anschlag. Wenige Tage zuvor war eine Schweizer Sprachlehrerin in der Hafenstadt Hobeida entführt worden.