15.05.2015
Nepal: Auch in der Katastrophe gibt es Wunder
Große Spendenbereitschaft für Erdbebenopfer in Nepal
Kathmandu (idea) – Inmitten der Erdbebenkatastrophe von Nepal gibt es vereinzelt wundersame Überraschungen. So konnte sich eine verschüttete hochschwangere Frau selbst befreien. Die 28 Jahre alte Dolma Tamang wurde kurz vor ihrer Niederkunft von Rot-Kreuz-Helfern in die nächste Klinik in Melamchi transportiert, wo sie einen gesunden Jungen zur Welt brachte. Die schweren Erdbeben vom 25. April und 12. Mai haben fast 8.400 Todesopfer gefordert. Die Bevölkerung des Himalaja-Landes lebt in ständiger Angst vor neuen Katastrophen. Viele fühlen sich hilflos und von ihren hinduistischen Göttern verlassen, berichten Mitarbeiter von Kirchen und christlichen Hilfswerken. Die Naturkatastrophe hat weltweit eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Insgesamt sind nach UN-Angaben allein fast 1.900 ausländische Ärzte in den Katastrophengebieten tätig. Von den 27,8 Millionen Nepalesen sind 75 Prozent Hindus, 16 Prozent Buddhisten, fünf Prozent Christen und vier Prozent Muslime. Auch die christliche Minderheit ist von den Beben betroffen. So stürzte in der Nähe von Kathmandu ein dreistöckiges Gemeindehaus ein, während sich dort etwa 60 Christen, darunter viele Kinder, zum Gottesdienst versammelt hatten. Sechs Leichen wurden geborgen, zwei Personen werden noch vermisst. Insgesamt sind 633 Christen ums Leben gekommen und etwa 3.000 verletzt worden, berichtet der „globale Botschafter“ der Weltweiten Evangelischen Allianz, Brian Stiller (Toronto/Kanada), der Nepal besucht hat.
Pastor lebt mit seiner Familie im Zelt
Der einheimische Pastor Kris Maharajan musste seine Kirche im Gebiet Dolakha aufgeben, weil sie einsturzgefährdet ist. Zwei Wochen lang lebte er mit seiner Familie in einem Zelt. Nach seinen Angaben engagieren sich Christen bei der Nothilfe; unter anderem verteilen sie Lebensmittel. Der Bund Nepalesischer Kirchen hat nach Informationen der Missionsgemeinschaft „DMG interpersonal“ (Sinsheim bei Heidelberg) seit dem 25. April rund 20.000 Menschen mit dem Lebensnotwendigsten versorgt, etwa mit Nahrung, Trinkwasser, Zelten, Seife, Kerzen, Matratzen und Decken. Gemeindeleiter fahren die Transporte teilweise unter Lebensgefahr in die Berge.
Heilsarmee fährt Hilfsgüter in entlegene Gebiete
So hat das Katastrophenhilfsteam der Heilsarmee mit Unterstützung einheimischer Helfer einen Lastwagen mit Reis, Linsen, Öl und Salz beladen und an 445 Familien im Distrikt Sindupalchok ausgeliefert, einer der am schwächsten entwickelten Regionen Nepals. Die Deutsche Damaris Frick koordiniert die Hilfseinsätze der sozial und missionarisch engagierten Heilsarmee. Das internationale christlich-humanitäre Hilfswerk „World Vision“ kümmert sich besonders um Kinder. Es hat elf Kinderschutzzentren eingerichtet. Mitarbeiter berichten, dass Kinder bei den schweren Nachbeben in Panik ausbrachen. World Vision hat auch mehr als 30.000 Menschen mit Hilfsgütern versorgt. Dies gestalte sich besonders schwierig, weil viele Straßen unpassierbar sind.
Pastoren leisten Seelsorge
Nach Angaben des unter anderem in Nepal tätigen christlichen Hilfs- und Missionswerkes „Asian Access“ (Zugang zu Asien) haben die Erdbeben den Glauben vieler Nepalesen erschüttert. Sie fragten sich, wie ihre Götter eine solche Tragödie zulassen könnten, berichtet der Präsident von Asian Access, Joe Handley (Los Angeles/Kalifornien). Nepalesische Pastoren engagierten sich daher nicht nur in der Nothilfe, sondern auch in der Seelsorge für ihre Landsleute. Nepal war bis ins 20. Jahrhundert hinein ein weithin von der Außenwelt abgeschlossenes hinduistisches Königreich. Christliche Missionswerke durften nur als humanitäre Hilfsorganisationen tätig sein. Sie bauten Schulen und Krankenhäuser. Das Christentum fasste erst Fuß, als Nepalesen in den britischen und indischen Streitkräften Dienst taten, dabei Christen wurden und zu ihren Familien heimkehrten. Ähnliches ereignete sich mit jungen Nepalesen, die im Ausland studierten. 2006 wurde der Hinduismus als Staatsreligion offiziell abgeschafft.
Hilfswerke erhielten 60 Millionen Euro innerhalb von zwei Wochen
Berlin (idea) – Rund 60 Millionen Euro haben Bürger und Unternehmen in Deutschland in den ersten beiden Wochen nach dem Erdbeben am 25. April in Nepal für die Opfer gespendet. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI/Berlin) bei 46 Hilfswerken und Spendenbündnissen. Unter den 13 Organisationen mit einem Aufkommen von mindestens einer Million Euro sind der (katholische) Deutsche Caritasverband (6,5 Millionen Euro), die Diakonie Katastrophenhilfe (4,7 Millionen), die Johanniter-Unfall-Hilfe (2,2 Millionen), humedica (1,4 Millionen) und das katholische Hilfswerk Misereor (1,1 Millionen). Die Spendenbereitschaft sei besonders in der ersten Woche nach dem Beben außerordentlich groß gewesen, erklärte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke in einer Mitteilung vom 15. Mai. Zuletzt habe der Spendenfluss aber merklich nachgelassen. „Die Hilfswerke sind aber vor allem zur Finanzierung der Wiederaufbauhilfe weiter auf Spenden angewiesen.“ Das DZI gibt auf seiner Internetseite Spendentipps. Es listet unter anderem seriöse Hilfsorganisationen und ihre Bankverbindungen auf. Die schweren Erdbeben vom 25. April und 12. Mai haben fast 8.400 Todesopfer gefordert.