21.05.2015

Deutschland: Harte Kritik an israelkritischem Thementag

Württembergischer Beauftragter gegen Boykottaufruf während des Kirchentags

Deutschland: Harte Kritik an israelkritischem Thementag

Württembergischer Beauftragter gegen Boykottaufruf während des Kirchentags

Bad Boll (idea) – Deutliche Kritik an einem israelkritischen Thementag während des Deutschen Evangelischen Kirchentages vom 3. bis 7. Juni in Stuttgart übt der Beauftragte der württembergischen Landeskirche für das Gespräch zwischen Christen und Juden, Pfarrer Michael Volkmann (Bad Boll). Zu der nicht zum offiziellen Programm gehörenden Veranstaltung lädt ein „Kairos-Palästina-Solidaritätsnetz“ in Kooperation mit der Nahost-Kommission von Pax Christi und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg ein. Auch die palästinensische befreiungstheologische „Sabeel“-Bewegung ist beteiligt. Im Kairos-Papier von Dezember 2009 bitten palästinensische Christen die Kirchen der Welt, sich politisch für die Rechte der Palästinenser einzusetzen. Sie fordern einen Boykott israelischer Waren, Sanktionen und den Rückzug von Investitionen. Wie Volkmann in seinem Internet-Rundbrief schreibt, haben sich einige Redner des Thementages durch Verharmlosung der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas hervorgetan. Die „Sabeel-Bewegung“ vertrete neben einer antijudaistischen Theologie vor allem ein politisches Programm zugunsten der anti-israelischen Boykott-Kampagne. Kritik an palästinensischer Politik und Gewalt stehe hingegen nicht auf dem Programm des Thementages. Auch der Blick für die Vertreibung von Juden und jetzt von Christen aus arabischen Ländern fehle. An der Veranstaltung des Thementages „Das Schweigen in der Kirche brechen“ wirken der frühere EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock (Köln), der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz (Diözese Rottenburg-Stuttgart) sowie der jüdische Trauma-Therapeut und Direktor der US-„Kairos“-Bewegung, Mark Braverman (Princeton/Bundesstaat New Jersey), mit.

In der Nähe der Synagoge: Das ist instinktlos

Volkmann zufolge sind viele Positionen, die bei dem Thementag diskutiert werden, weder mit dem christlich-jüdischen Dialog noch mit synodalen Erklärungen evangelischer Landeskirchen oder mit den Beschlüssen der römisch-katholischen Kirche vereinbar. Umso unverständlicher sei es, dass die katholische Kirche Räume in der Nähe der Synagoge zur Verfügung stelle. Dies sei „instinktlos gegenüber der jüdischen Gemeinde und vor allem gegenüber der großen Gruppe jüdischer Veteranen, die uns vom Antisemitismus befreit haben und hoffen, ihn nie wieder erleben zu müssen“.