21.05.2015

Deutschland: "Ich wollte niemanden verletzen"

Ex-Vorsitzender der DDR-Opferverbände Rainer Wagner musste wegen einer umstrittenen Predigt zurücktreten

Deutschland: "Ich wollte niemanden verletzen"

Ex-Vorsitzender der DDR-Opferverbände Rainer Wagner musste wegen einer umstrittenen Predigt zurücktreten

Berlin/Neustadt (idea) – Der zurückgetretene Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Rainer Wagner (Neustadt/Weinstraße), steht inhaltlich zu den Aussagen in einer umstrittenen Predigt, würde sie heute aber sensibler formulieren. „Ich wollte niemanden verletzen. Sollten meine Äußerungen so angekommen sein, tut mir das leid“, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Wagner war Ende April von sämtlichen politischen Ämtern zurückgetreten. Seit vergangenem Jahr war er auch Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Mitglied im Beirat Stiftung Berliner Mauer sowie im Stiftungsrat der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Als Grund für seinen Rücktritt hatte der 63-Jährige zunächst gesundheitliche Probleme angegeben. Wagner leidet aufgrund einer 18-monatigen Haftstrafe in der DDR unter anderem an Asthma und Neurodermitis. Nach seinen Worten hätte er allein deswegen aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt seine Ämter aufgegeben. Jedoch habe der Vorsitzende der Vereinigung „17. Juni 1953“, Carl-Wolfgang Holzapfel (Berlin), ihn dazu gedrängt und in der Politik Stimmung gegen ihn gemacht.

„Der Islam ist nicht friedlich“

Auslöser war eine Predigt, die Wagner schon 2006 bei einer Tagung des Missionswerks „Mitternachtsruf“ in Ungarn gehalten hatte. Sie wurde jetzt ohne Wagners Wissen von Mitarbeitern der Gemeinde ins Internet gestellt. Darin sagt er, es sei „nicht wahr, dass der Islam friedlich ist“. Vielmehr hätten alle Terroranschläge und Kriege mit dem Islam zu tun. Mohammed sei „ein elender Mörder und Lügner gewesen“. Wagner räumte jetzt gegenüber idea ein, dass nicht alle Terrorakte mit dem Islam zu tun hätten, sondern die meisten: „Da habe ich mich vertan.“ In der Sache bleibe er bei seiner Kritik. Allerdings würde er heute „sensibler“ formulieren: „Weder wollte ich Muslime kränken, noch sie in ihren Gefühlen verletzen.“ Bislang habe sich kein Muslim bei ihm beschwert wegen seiner Predigt.

„Ich bin ein Freund Israels, kein Antisemit“

Mit Blick auf Israel hatte Wagner 2006 erklärt, es sei das auserwählte Volk Gottes. Aber so lange es Jesus nicht habe, sei es blind. Das legten ihm Kritiker als Antisemitismus aus. Wagner weist das scharf zurück: „Das war kein Antisemitismus, sondern eine Aussage des Apostels Paulus aus dem Neuen Testament.“ Bereits in der DDR habe er sich für Israel engagiert und dafür Haftstrafen riskiert. Bis heute veranstalte er jedes Jahr Reisen nach Israel. Wagner: „Ich bin ein Freund Israels, kein Antisemit.“ Er spricht von einer Kampagne gegen ihn: „Wenn Angriffe aufgrund von kurzen Zitaten aus einer neun Jahre alten Predigt dazu führen, dass sich ein Christ gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage sieht, demokratische Mandate auszuüben, sehe ich die Glaubens- und Gewissensfreiheit in unserer Demokratie gefährdet.“ Wagner stammt aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Wegen eines Fluchtversuchs wurde er 1967 zu einer Haftstrafe verurteilt. 1984 ließ man ihn ausreisen. Seitdem lebt er in Neustadt an der Weinstraße. Dort ist er Prediger der Stadtmission und Vorsitzender der Evangelischen Allianz.