22.05.2015

Ägypten: „Unsere Waffe ist die Liebe“

(HMK) Ein HMK-Team reiste vor Kurzem nach Ägypten. Es besuchte die Angehörigen der 21 koptischen Christen, die dieses Jahr in Libyen von IS-Kämpfern enthauptet worden waren. Wir wollten wissen, wie es den Familien geht – und ob sie weitere Hilfe benötigen.

Viele Medien waren auf den Fall der ermordeten Kopten aufmerksam geworden und hatten deren Familien kurz nach dem tragischen Ereignis besucht. Die große Aufmerksamkeit, die so den Christen geschenkt wurde, hat zu Neid unter den muslimischen Nachbarn geführt. Infolgedessen gab es beispielsweise große Tumulte in Al Aour, einem Dorf, aus dem 13 der ermordeten Opfer stammten: Zahlreiche Muslime hatten gegen den Plan der Regierung protestiert, in Gedenken an die 21 Märtyrer eine Kirche in dem Ort zu errichten. Einzelne koptische Familien berichteten unserem Team gegenüber, dass es zu offener Feindschaft zwischen ihnen und muslimischen Nachbarn gekommen war. So waren sie mit den Worten bedroht worden: „Wie wir eure Männer abgeschlachtet haben, so werden wir auch euch abschlachten!“

Während des Besuchs vor Ort fiel unserem Team aber auch die große Armut in diesem Dorf auf – so gibt es beispielsweise keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ein befreundeter HMK-Partner fasste deshalb den Beschluss, Wasserfilter für das gesamte Dorf zur Verfügung zu stellen. In einem weiteren Dorf, das auch Wasserfilter bekommen soll, war die Skepsis aufseiten einiger muslimischen Einwohner erst groß; doch nach und nach konnte ein Großteil der muslimischen Nachbarn durch diesen Akt der Nächstenliebe beschwichtigt werden. „Liebe ist unsere stärkste Waffe“, so unserer Partner vor Ort. „Vor solch einem Hintergrund, in dem Gewalt und Waffen benutzt werden, um andere zu unterwerfen, ist die Liebe die größte Waffe, die wir Christen besitzen.“

Die Hilfsprojekte

In insgesamt fünf Dörfern werden nun Wasserfilter installiert, für die koptischen Christen, aber auch die Muslime – in allen Orten, aus denen die 21 ermordeten Christen stammten. Ein befreundeter Partner hat dieses Projekt übernommen.

Einer unserer HMK-Partner ist außerdem in intensivem seelsorgerlichem Kontakt zu den Familien, die durch den grausamen Akt des IS Männer, Väter und Söhne verloren haben. Sie kennen die Angehörigen teilweise schon sehr lange – und besuchen sie wöchentlich, um mit ihnen zu reden und zu beten.

HMK schreibt:

Durch nachhaltige Projekte begegnen wir der Not unserer Glaubensgeschwister. Wir arbeiten direkt mit Partnern in den jeweiligen Ländern zusammen. Wir helfen ihnen und ermutigen sie.

 

Unser gemeinsamer Dienst hat neun Schwerpunkte: Soforthilfe, Wiederaufbau, Ausbildung, Kinderhilfe, Rechtsbeistand, Evangelisation Medizinische Hilfe, Überlebenshilfe,Hilfe zur Selbsthilfe